Waren Sie in 50 Jahren Zusammenarbeit einander nie überdrüssig?

Vittorio Taviani: Wenn wir einen Film zusammen machen, sehen wir uns jeden Morgen am Set. Wenn wir nicht arbeiten, sehen wir einander auch jeden Morgen. Das macht also keinen Unterschied. Wir unterhalten uns darüber, was wir in den Nachrichten gehört oder in den Zeitungen gelesen haben, und wenn das Wetter schön ist, gehen wir im Park spazieren und reden und reden. Aber am Nachmittag gehen wir völlig getrennte Wege. Wir rufen einander nicht einmal an. Das Gleiche gilt für die Ferien im Juli und August. Während dieser Zeit hören wir nichts voneinander. Wir brauchen diesen Abstand natürlich auch.

Aber Kino und Filmemachen ist immer ein großes Abenteuer und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als das mit jemandem teilen zu können, dem man nahesteht. Es gibt zu viele Geschichten, die wir gerne auf der Leinwand sähen, das treibt uns an, und es ist immer großartig, etwas zu entdecken, mit dem man nicht gerechnet hatte. Schließlich wurde das Kino auch von zwei Brüdern erfunden, den Lumières, also haben wir uns angeschlossen. Danach kamen natürlich einige, die das imitiert haben, wie etwa die Dardennes und die Coens (lacht).