• vom 04.02.2013, 16:47 Uhr

Shakespeare

Update: 05.02.2013, 09:44 Uhr

Geschichte

Der echte Richard III.




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Von Heiner Boberski

  • Forscher konnten Skelett nach 500 Jahren eindeutig identifizieren
  • Shakespeare prägte maßgeblich Image des berühmt-berüchtigten Herrschers.

Grabungsleiter Jo Appleby verweist auf eine markante Stelle am Schädel des Monarchen. - © reuters

Grabungsleiter Jo Appleby verweist auf eine markante Stelle am Schädel des Monarchen. © reuters

Wien. Was die involvierten Forscher vermutet hatten, hat sich bestätigt: Die Gebeine, die man im September 2012 unter einem Parkplatz der mittelenglischen Stadt Leicester gefunden hatte, wurden nun "jenseits aller berechtigten Zweifel", so der britische Archäologe Richard Buckley, als jene des englischen Königs Richard III. identifiziert.

Ihre "akademische Schlussfolgerung" stützen die Wissenschafter, die am Montag in einer Pressekonferenz in Leicester vor die Öffentlichkeit traten, auf DNA-Material. Proben vom Skelett wurden mit solchen eines Nachkommen von Richards Schwester Anne of York verglichen: Der 55-jährige Michael Ibsen ist ein Neffe Richards in der 17. Generation und lebt in London.


Für die Identität Richards III. mit dem Skelett sprach auch der Fundort - an dieser Stelle befand sich mutmaßlich der Chor einer längst zerstörten Franziskaner-Kirche, in der Richard III. seinerzeit begraben wurde. Laut Grabungsleiter Jo Appleby hat der "in gutem Zustand" gefundene Schädel viele Einzelheiten über den Toten verraten. Er verfügt noch über fast alle Zähne, am Hinterkopf sind Spuren einer Wunde erkennbar. Eine in die gekrümmte Wirbelsäule eingedrungene Pfeilspitze weist auf Richards Tod 1485 in der Schlacht von Bosworth hin. William Shakespeare ließ ihn als Titelfigur eines seiner Königsdramen auf dem Schlachtfeld noch die berühmten Worte "Ein Königreich für ein Pferd" ausrufen.

Vor allem Shakespeare hat das Image von Richard III. als Bösewicht, der im Kampf um die Macht skrupellos alle Gegner aus dem Weg räumt, geprägt. Historiker vermuten heute, dass Richard für etliche ihm zugeschriebene Schandtaten gar nicht verantwortlich war. Die Schuld könnte ihm auch nur von seinem siegreichen Gegner, dem zu Shakespeares Zeit noch regierenden Haus Tudor, in die Schuhe geschoben worden sein. Ob Richard III. ein echter Schurke war, bleibt folglich umstritten, nicht aber, dass nun sein echtes Skelett vorliegt.

Richards Gebeine sollen 2014 in der Kathedrale von Leicester beigesetzt werden, für ein Grabmal hat die "Richard III Society" bereits 10.000 Pfund gestiftet.


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Dokument erstellt am 2013-02-04 16:50:10
Letzte Änderung am 2013-02-05 09:44:18



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Edwin Booth als Hamlet (Hamlet, 1870).



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