München. William Shakespeare hat uns auch heute noch Einiges zu sagen - sogar über die Finanzkrise. Das meint zumindest der Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, Tobias Döring. Die diesjährigen Shakespeare-Tage in München, die von 26. bis 28. April unter dem Titel  "Geld und Macht: Shakespeares Bilanzen" stattfinden, haben darum das Motto: "Mit Shakespeare die Finanzkrise verstehen".

"Das Thema liegt uns allen sehr am Herzen, und es liegt in der Luft", sagte Döring, Professor für englische Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Das Wissen, wie Shakespeare seine Zeit und die Bedeutung des Geldes gesehen hat, kann helfen, unsere heutige Zeit mit ihren Krisen besser zu verstehen."


Link-Tipps
shakespeare-gesellschaft.de
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Das Theater als kommerzielle Anstalt

Shakespeare selbst sei nicht nur Dramatiker, sondern auch Geschäftsmann gewesen - und sein Theater "kein Kunsttempel, sondern eine kommerzielle Anstalt", erklärte Döring. "Shakespeare hatte ein sehr professionelles Verhältnis zum Geld."

Und das Thema Geld und Macht habe ihn auch literarisch sehr beschäftigt - ganz augenscheinlich im "Kaufmann von Venedig" mit dem berühmten Zitat "Es ist nicht alles Gold, was glänzt". In seinen Werken spielten Geld und Kredit, Besitz und Schuld eine wichtige Rolle, sagte Döring. "Shakespeare zeigt uns eine Welt aus Soll und Haben, in der sich die Menschen aufgrund finanzieller Transaktionen behaupten müssen. Shakespeare hat schon damals erkannt, was auch für unsere heutige Zeit von Belang ist."

Verführungskraft von Waren

Das gelte auch für "Richard III." oder "Timon von Athen", ein Stück um Reichtum und Armut, dem Karl Marx später "hellseherische Erkenntnisse" bescheinigt habe. In seinem "Wintermärchen" thematisiere Shakespeare die Verführungskraft von Waren.

Welche Rolle Shakespeare heute in der Finanzkrise einnehmen würde, darauf will Döring sich nicht festlegen. "Shakespeare war Dramatiker, er hat immer Masken gesucht, immer Rollen, und er hat sich nicht festgelegt. Es ging ihm vor allem um die Diskussion." Heute könne man sich als Occupy-Anhänger auf ihn beziehen, als Banker aber wahrscheinlich auch.