Shakespeare, wie er leibte und lebte: Edward de Vere, 17th Earl of Oxford. - © wikipedia
Shakespeare, wie er leibte und lebte: Edward de Vere, 17th Earl of Oxford. - © wikipedia

Wer war Shakespeare? Seit Jahrhunderten treibt diese Frage Philologen und Rätselfreunde um. Die Frage nach seiner Autorenschaft wird mit anhaltender Verve geführt, als wäre es eines der letzten Rätsel der Menschheit. Erste Zweifel tauchten bereits zu Shakespeares Lebzeiten auf, im Geniekult des ausgehenden 19. Jahrhunderts erlebte die Diskussion einen aberwitzigen Höhepunkt, mehr als 50 mögliche Autoren kursierten damals. Gegenwärtig wird die zunehmend esoterisch anmutende Debatte überwiegend von Autoren außerhalb akademischer Institutionen gepflegt. Innerhalb der Forschung hat sich mittlerweile die Meinung durchgesetzt, dass Shakespeares Identität fraglos ist.

Pro Shakespeare: Der Dichter ist eine ideale Projektionsfläche für Verschwörungstheorien.

Wäre Shakespeare, wie gern behauptet wird, tatsächlich nur ein Strohmann für einen anderen gewesen, müsste es sich um eine Verschwörung von gigantischem Ausmaß gehandelt haben.

Nicht nur der Namensgeber, auch einige Kollegen am Theater sowie die Herausgeber seiner Werke mussten zumindest bis zu einem gewissen Grad eingeweiht gewesen sein; zudem könnten Freunde des "echten" Dichters etwas geahnt haben. Bei so vielen Mitwissern ist es mehr als erstaunlich, dass über die Jahrhunderte hinweg nichts durchgesickert ist - bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die ersten selbst ernannten Detektive der Sache annahmen.

Die Identitäts-Debatte beruht freilich auf einem Dilemma: Ein Werk, das auf einen außerordentlich gebildeten und gewandten Renaissance-Geist schließen lässt, soll ausgerechnet ein Provinzler von einfacher Herkunft und geringer Schulbildung verfasst haben?

Daher kam die Idee auf, dass Shakespeare in Wahrheit ein Adeliger gewesen sein muss, der unter falschem Namen publizieren musste, weil das Theater zu jener Zeit einen üblen Leumund hatte. William Stanley, Earl of Derby, Roger Manners, Earl of Ruthland oder Edward de Vere, Earl of Oxford kamen so ins Gespräch. Ein gravierender Makel der Adels-Theorie: Einige der bedeutendsten Stücke entstanden mit hoher Wahrscheinlichkeit erst nach dem Ableben der Genannten. Zudem treten in den Stücken von Mr. S. sämtliche Royals auf, als wären sie in einem bürgerlichen Haushalt. Es scheint nicht plausibel, dass der Dichter die dramaturgischen Möglichkeiten der Etikette eines Königshauses ausgelassen hätte, wäre er damit vertraut gewesen. Zudem: Warum verfasste Mr. Anonymous auch die Sonette in Shakespeares Namen?