• vom 19.02.2013, 12:15 Uhr

Spione

Update: 28.05.2013, 20:06 Uhr

Österreich

Der Spion, der aus dem Kaffeehaus kam




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Von Christa Hager

  • Der Mythos Oberst Redl lebt weiter

Ein letztes Mal musste er sich einreihen: Redls sterbliche Überreste liegen bis heute am Zentralfriedhof - nahe den Kriegsgräbern. 1944 wurde das Grab neu vergeben, seine Überreste blieben aber in der Gruppe 79 Reihe 27 Nr. 38. - © J. Kerviel

Ein letztes Mal musste er sich einreihen: Redls sterbliche Überreste liegen bis heute am Zentralfriedhof - nahe den Kriegsgräbern. 1944 wurde das Grab neu vergeben, seine Überreste blieben aber in der Gruppe 79 Reihe 27 Nr. 38. © J. Kerviel

Sein Markenzeichen war Vorsicht, sein Name Agent Nummer 25: Nicht einmal seine russischen Auftraggeber wussten, wer sich hinter ihrem Top-Informanten verbarg.

100 Jahre ist es her, dass sich Oberst Redl wegen Hochverrats das Leben nahm – besser gesagt: nehmen musste. Über Jahre hinweg hatte er brisantes Material an Russland verraten, am 24. Mai 1913 erschoss sich der k.u.k. Generalstabschef des 8. Korps in Prag und ehemalige Vize-Chef des Evidenzbüros im Hotel Klomser in der Wiener Herrengasse.

Zum Verhängnis war dem sonst so Achtsamen eine seiner konspirativen Korrespondenzen geworden: Ein an sein Pseudonym Nikon Nizetas am Wiener Hauptpostamt hinterlegter Brief brachte die Behörden auf seine Spur. Als Redl das Schriftstück abholte, hefteten sich Detektive an seine Fersen. Diese führten ihn in sein Hotel, wo ihn wenig später seine Vorgesetzten aufsuchten, zur Rede stellten und zur Selbstentleibung nötigten.

Oberst Redl kannte die Nachrichtenquellen des k.u.k. Armeekommandos.

Oberst Redl kannte die Nachrichtenquellen des k.u.k. Armeekommandos. Oberst Redl kannte die Nachrichtenquellen des k.u.k. Armeekommandos.

Redl war kein Sparefroh, er spionierte nicht auf Vorrat: Er besaß mehrere Rennpferde, kaufte Autos, und pflog einen exzentrischer Lebensstil. Und ein solcher kostete viel Geld, vor allem Schweigegeld: So fand man in seiner Prager Wohnung Spuren üppiger Dekadenz und kompromittierende Fotografien von ihm und andern Männern im Adamskostüm. Schnell war klar: Redl wurde erpresst – allerdings nicht, wie lange Zeit kolportiert, von russischen Agenten, sondern von seinen Geliebten und Angebeteten. In einer solchen Situation war er geradezu ideale Zielperson für feindliche Spionage.

Information

Mehr zum Thema im Dossier "Spione"

Buchtipp
"Oberst Redl. Der Spionagefall. Der Skandal. Die Fakten." Von Verena Moritz, Hannes Leidinger, 2012, 320 Seiten, 24,90 Euro, Residenz Verlag, ISBN: 978-3-7017-3169-5 


Die Entlohnung von Agenten war gegen Ende der Monarchie sehr schlecht, ein Umstand, den feindliche Mächte wie Russland geschickt auszunutzen wussten, klagte Maximilian Ronge, Schüler Redls und später selbst Spion. Die magere Finanzierung war seit der Gründung des mit Spionage beauftragten Evidenzbüros im Jahr 1850 Begleiterscheinung des Nachrichtendienstes. Aber das war nicht immer so. Mehr als hundert Jahre vorher durften sich die Kundschafter noch einer hohen Gage erfreuen.

Maria Theresia hatte bereits den Nutzen von professionellen Informanten erkannt, aber erst unter ihren Söhnen Joseph und Leopold wurde ein eigener Kundschaftsapparat geschaffen, der die geheime Polizei und die vielen "Schmeißfliegen", wie die zivilen Spitzel in den Kaffee- und Wirtshäuser genannt wurden, ergänzen sollte. Und ein solcher war auch erforderlich geworden: Napoleon hatte der Donaumonarchie ja schmerzhafte Niederlagen zugefügt, allem voran durch seine geschickten Spione.

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Dokument erstellt am 2013-02-19 12:18:03
Letzte Änderung am 2013-05-28 20:06:20


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