• vom 27.02.2013, 14:45 Uhr

Spione

Update: 27.02.2013, 15:44 Uhr

Spionage

Alpenkuh1 an Moskau, bitte kommen




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Von Alexander Mathé

  • Ein Blick in die Welt der Geheimdienste
  • Angeklagt wegen Spionage sind in Deutschland derzeit zwei Russen mit österreichischem Pass.

Ferngesteuert von der Zentrale in Moskau? - © Ivan Vdovin/FotoS.A./Corbis

Ferngesteuert von der Zentrale in Moskau? © Ivan Vdovin/FotoS.A./Corbis

Es klingt wie eine Spionage-Persiflage der übelsten Sorte: Unter dem Decknamen "Alpenkuh1" sendet eine russische Agentin in Deutschland verschlüsselte Botschaften an ihren Führungsoffizier beim  Geheimdienst in Moskau. Inhalt: die neuesten Erkenntnisse über die Vorhaben der Nato, die sie von einem Informanten im holländischen Außenministerium erhalten hat. Schund à la Hollywood? Angstvisionen aus der Zeit des Kalten Kriegs? Nein – dieser Fall wird derzeit in Stuttgart verhandelt; es ist der spektakulärste Spionageprozess in Deutschland seit dem Mauerfall. Im Zentrum steht ein Ehepaar, das seinen Pässen zufolge aus Österreich ist.

Spione sind Menschen wie du und ich. Kein geschüttelter Martini, kein schnittiger Aston Martin, keine Models in den Armen eines attraktiven Charmeurs. Andreas Anschlag – so der in seinem österreichischen Pass verbriefte Deckname – sieht aus wie eine fleischgewordene Loriot-Figur. Das Gesicht ist fleischig, bieder, der Blick gutmütig, leicht naiv, die Haare grau meliert. Seine Frau Heidrun ist blondiert, um die 50, Marke Muttertag. Er ist Ingenieur bei Autozulieferbetrieben, sie Hausfrau und Mutter. Als Geburtstage sind der 6. Dezember 1959 und der 4. Dezember 1965 eingetragen – doch wer soll das glauben?

Information

Mehr zum Thema im Dossier "Spione"

Kurzwelle:
Kurzwellenfunk ermöglicht es, Informationen über große Reichweiten zu senden und mit einfachen technischen Mitteln zu empfangen. Seit der Verbeitung des Internet und der Einführung der Satellitentelefonie ist jedoch die Bedeutung der  Kurzwelle in zivilen Bereichen wie der Seefahrt zurückgegegangen. Es gibt aber immer noch spezielle Anwendungen.


Das Erste, was auffällt, ist die ähnliche offizielle Biografie: Andreas soll in Argentinien geboren sein, Heidrun in Peru  – beide als Kinder emigrierter Österreicher. Diese Geschichten könnten dazu gedient haben, leichter an die Pässe auf dem steierischen Amt zu gelangen, an dem sie ihre Anträge stellten. Die spanischsprachigen Herkunftsländer sollten wohl den offensichtlichen Akzent erklären, den die beiden bis heute nicht ablegen konnten. Das war 1984.

1988 taucht Andreas Anschlag wieder auf dem Radar der Behörden auf: Mit seinem österreichischen Pass reist er aus Mexiko nach Deutschland ein, Heidrun folgt ihm zwei Jahre später. Sie heiraten in Altaussee – so sie nicht ohnedies längst verheiratet sind. Denn in Wirklichkeit sollen sie Sascha und Olga Rost heißen, ihre Codenamen beim sow-jetischen Geheimdienst KGB waren laut dem deutschen Bundesnachrichtendienst Pit und Tina. 1990/91 bricht die Sowjet-union zusammen, doch der Nachfolger des KGB, der Auslandsgeheimdienst SWR, übernimmt die Agentennetze und führt sie weiter. Vorerst wird es ruhig. Andreas studiert Maschinenbau, das junge Paar bekommt ein Kind. Als Andreas nach absolviertem Studium in die Berufswelt einsteigt, wird er geheimdienstlich aktiv. 1998 erhält er einen Job bei einem Autozulieferer, die Familie zieht nach Meckenheim bei Bonn. Er reist viel, wechselt von einer Firma zur anderen und leitet dort gewonnenes vertrauliches Know-how an Russland weiter. Doch im großen Geschäft landen Pit und Tina für den SWR ab 2008, erklären die Ankläger.

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Dokument erstellt am 2013-02-26 15:50:24
Letzte Änderung am 2013-02-27 15:44:22


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