• vom 18.01.2018, 17:23 Uhr

Stadtentwicklung

Update: 19.01.2018, 08:32 Uhr

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  • Alsergrunder Bezirksparteien votierten einstimmig gegen Bebauungspläne der Stadt.



Wien. Nun lehnte auch der Bezirk die Bebauungspläne ab. Einstimmig votierten die Alsergrunder Parteien gegen den vorgeschlagenen Flächenwidmungsplan der MA 21 (Stadtteilplanung und Flächennutzung). Es geht um die Neugestaltung des Areals um den Franz-Josefs-Bahnhof. Oberhalb des Bahnhofs soll ein Hochpark mit Hochhäusern entstehen. Die vorgesehene Maximalhöhe von 126 Metern erregte nun die Bezirksgemüter.

In einer Stellungnahme hieß es: "Ein Hochhaus von 126 Metern ist jedenfalls aus der Sicht des Bezirks nicht denkbar." Auch eine Bauhöhe von 63 Metern direkt an der Althanstraße will der Bezirk verhindern, berichtet der ORF. Weiters wird eine strategische Umweltprüfung gefordert.

"SPÖ und Grüne, deren Planungssprecher und Bezirkspolitiker bei allen relevanten Gesprächen mit am Tisch gesessen sind, haben nun im Bezirk kalte Füße bekommen. Sie fahren damit einen für die Bürgerinnen und Bürger unwürdigen Zickzackkurs", sagt Beate Meinl-Reisinger, Klubobfrau der Neos. "Insbesondere die Grünen Wien können sich eine Wiederholung des Heumarkt-Desasters nicht mehr leisten. Das hat auch ihr Abgeordneter Martin Margulies erkannt, der sich öffentlich eine Ablehnung des Flächenwidmungsplans im Wiener Gemeinderat erhofft und damit wohl gegen seinen im Projekt involvierten Parteikollegen Maria Vassilakou und Christoph Chorherr stellt."

Siegi Lindenmayr, SPÖ-Gemeinderatsabgeordnete aus dem Alsergrund, entgegnet: "Wo die Neos von einem Zickzackkurs sprechen, sehe ich gelebte BürgerInnenbeteiligung." Und weiter: "Ein BürgerInnenbeteiligungsprozess kann, wie im vorliegenden Fall, auch zur Ablehnung einer Flächenwidmung führen", erklärt er. "Es wird nun am Investor liegen, gemeinsam mit der Stadt Wien einen Städtebaulichen Vertrag festzulegen, der sicherstellt, dass die Interessen sowohl der Stadtentwicklung, vor allem aber auch der Bürgerinnen und Bürger gewahrt bleiben."

Shopping Mall soll verhindert werden

Der Flächenwidmungsplan zum Althangrund lag von Ende November bis Mitte Jänner zur öffentlichen Einsicht auf. Die Bezirksräte sammelten während dieser Zeit Änderungswünsche der Bezirksbevölkerung und fassten diese zu einer Stellungnahme zusammen.

"Mit der Stellungnahme wollen wir vor allem erreichen, dass noch offene Punkte wie die Verkehrs- oder Sozialentwicklungen und alle Möglichkeiten zur Errichtung von Stellplätzen auf dem Areal geprüft werden", sagt Momo Monika Kreutz, stellvertretende Bezirksvorsteherin der Grünen. Verhindert werden soll eine geplante Shopping Mall. "Die Wechselwirkungen des geplanten Einkaufszentrums auf die Nahversorgung und die umliegenden Einkaufsstraßen müssen geprüft werden." Ebenso sollen die vorgesehenen Durchwegungen verbreitert werden.

"Die Festlegung auf den Erhalt des Kopfgebäudes und damit die Verunmöglichung einer echten Vergrößerung des Julius-Tandlerplatzes haben die rote Bezirksvorsteherin und ihre grüne Stellvertreterin zu verantworten", kritisiert hingegen der Alsergrunder FPÖ-Klubobmann Gregor Amhof. Weiters bewirke der Umstand, dass der vorliegende Flächenwidmungsplan zunächst ohne Bebauungsbestimmungen erlassen werden soll, eine planerische Fragmentierung des Projektes.

"Chaosplanung" vermutet die ÖVP. "Der Bezirk wird von der Stadt Wien bei vielen Fragen einfach im Regen stehen gelassen", sagt Elisabeth Fuchs, Klubobfrau der ÖVP Alsergrund. "Es braucht endlich ein ganzheitliches und zukunftsweisendes Konzept für den Althangrund. Die Stadt Wien hat dies bisher verabsäumt, hier besteht akuter Handlungsbedarf", befindet Fuchs.

Auch Wilfried Posch, Vizepräsident der internationalen Organisation für Denkmalpflege, Icomos, kritisiert die Pläne. "Die Althangründe sind keine Welterbestätte so wie Wien Innere Stadt. Aber es gibt neben der Unesco noch die europäischen Institutionen. Der Europarat hat das sogenannte Faro-Abkommen geschlossen. Dieses Abkommen hat auch Österreich ratifiziert. Es gibt Entwicklungstendenzen, die diesem Faro-Abkommen widersprechen."

Mit dem Bau wird frühestens im Herbst 2019 begonnen. Die Fertigstellung des gesamten Projekts ist für 2025 geplant. Entwickelt wird das Projekt von einem Tochterunternehmen des Immobilienentwicklers 6B47, der den Gebäudekomplex im August 2015 gekauft hatte.





Schlagwörter

Stadtentwicklung, Althangrund

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-18 17:26:09
Letzte ńnderung am 2018-01-19 08:32:17



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