Wien. Oft sind es nur Gesten, die über die Beziehung zwischen Arzt und Patient entscheiden. Die Wiener Ärztekammer hat jetzt einen Leitfaden und ein Handbuch präsentiert, das Medizinern beim Umgang mit Patienten mit Migrationshintergrund helfen soll. "Interkulturell kompetent" heißen Buch und Broschüre, die Michael Peintinger, Referent für Ethik und Palliativmedizin der Wiener Ärztekammer, herausgegeben hat.

Kulturell, sozial und spirituell bedingte Unterschiede würden Mediziner oft vor Herausforderungen stellen, betont Ärztekammer-Präsident Walter Dorner. In Südostasien ist es etwa üblich, dass neben dem Patienten auch ein Angehöriger das Einverständnis zu einer Operation gibt. Die Ärzte seien für solche Differenzen nicht gerüstet. Daher sei es "wichtig, dass wir diese Inhalte auch an die Universitäten transportieren".

Ebenso fasse ein Patient leichter Vertrauen zum Arzt, wenn er in seiner Muttersprache nach Beschwerden gefragt wird, sagt Dorner. Er verweist auf den Praxisplan, mit dessen Hilfe Ordinationen, in denen man der Muttersprache des Patienten mächtig ist, gesucht werden können. Dies geschieht mit einer Suchmaschine (http://www.praxisplan.at), die es mittlerweile auch in Türkisch und Serbokroatisch gibt. Auch bei Spitälern kann man via Intranet auf Personen mit besonderen Sprachkenntnissen zurückgreifen.