Patientenwille: DasDilemma des Arztes

Und "hier wird die Suppe ganz dünn", sagt der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, Herbert Watzke. Denn aus den Aussagen des Patientenumfelds muss sich ein "uniformes, nachvollziehbares Bild" ergeben. Andernfalls gilt, wie auch der Oberste Gerichtshof festgestellt hat, das Prinzip "in dubio pro vita" ("im Zweifel für das Leben"). Der Arzt muss demnach seinem "normalen ärztlichen Heil auftrag" nachkommen - er kann nur dann die Behandlung abbrechen, wenn er weiß, dass sie sinnlos ist. Aber "Sinnlosigkeit hat viele Dimensionen", betont Watzke.

Er sieht eine sogenannte Vorsorgevollmacht als das beste Mittel an, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Diese Möglichkeit, bei Notar, Anwalt oder Gericht eine Person zu bestimmen, die auch in medizinischen Fragen die Entscheidungen fällt, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, besteht seit 2007. Im Gegensatz zur Patientenverfügung müssen bei der Vorsorgevollmacht nicht alle medizinischen Maßnahmen im Detail aufgelistet sein.

Der Theologe Ulrich Körtner hält das österreichische Patientenverfügungsgesetz für klarer als die deutsche Regelung, einzig in der Umsetzung sieht er Handlungsbedarf. So müsse die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert werden, auch müssten Spitalsträger und Ärztekammer bei der Aus- und Fortbildung des medizinischen Personals mehr Wert auf den Patientenwillen legen. Auch der Bekanntheitsgrad der Patientenverfügung lasse noch zu wünschen übrig. Denn immerhin haben derzeit nur vier Prozent der Österreicher eine solche abgeschlossen.

Behandlungsende auf Wunsch vs. Euthanasie

Neben der Frage nach dem Umgang der Ärzte mit dem Patientenwillen hat das deutsche Urteil auch jene nach der Grenze zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe beantwortet. Letztere ist in Deutschland und Österreich verboten, das deutsche Höchstgericht hat das Durchschneiden einer Leitung aber als passive Sterbehilfe gewertet. Das Verweigern der Sondenernährung gilt als Verzicht auf eine Behandlung - und dies steht Patienten in beiden Ländern frei.

In Österreich steht eine "eigenmächtige Heilbehandlung" - gegen den Willen des Patienten - unter Strafe. Damit ist der "Behandlungsabbruch auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten", wie es Körtner ausdrückt, zwar erlaubt, aber nicht dezidiert per Gesetz geregelt. Der Unterschied zwischen Euthanasie und passiver Sterbehilfe liegt laut dem Theologen in der Intention: Im ersten Fall muss der Arzt eine aktive Handlung setzen, um den Tod des Patienten herbeizuführen (etwa Gift verabreichen), im zweiten geht es um den Behandlungsabbruch nach der Verweigerung durch den Patienten.