Stressniveaus erforscht

Ein aktuelles Projekt ist die Erforschung des Stressniveaus der Patienten mittels der Herzratenvariabilität (HRV). Das ist jene Fähigkeit des Organismus, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern. Anhand des Verhältnisses von Sympathikus und Parasympathikus lässt sich - ähnlich einem EKG - das Stressniveau ermitteln. Der Sympathikus hat eine allgemein aktivierende Funktion und reagiert sehr stark bei Schmerzattacken. Der Parasympathikus hingegen zielt auf die Beruhigung und Regeneration des Körpers ab. Wirkt ein Schmerzmittel, kommt es in Folge zu einem entspannten Atemrhythmus, was sich im HRV am Wert des Parasympathikus ablesen lässt.

Der Vorteil dieser Methode: Man kann herausfinden, wie sich der Patient fühlt. Denn in den letzten Lebenstagen sind die Betroffenen oft bewusstseinsgetrübt oder gar bewusstlos, desorientiert und unruhig. Die HRV könnte dazu beitragen, auch hier eine Erleichterung erreichen zu können. Zur Anwendung kommt etwa auch Musiktherapie, die, wie an der HRV ablesbar, viel zur Harmonisierung beitragen kann.

Auch der Placeboeffekt darf nicht außer Acht gelassen werden. 50 Prozent der Wirksamkeit der Schmerztherapie beruhen auf ihm, so Watzke. Häufig wirkt alleine die Anwesenheit - hier gilt die Devise: Hauptsache, es wirkt.

Die Vorsorgevollmacht

Problematisch findet Watzke die Patientenverfügung, mit der bestimmte medizinische Behandlungen vorweg für den Fall abgelehnt werden können, dass man nicht mehr entscheidungsfähig ist. Sie sei zwar als Instrument der Förderung der Patientenautonomie begrüßenswert, aber in der Praxis sei es schwierig vorauszusehen, wie man sich im Fall einer schweren Erkrankung verhalten würde.

Praktikabler sei für viele Palliativpatienten die sogenannte Vorsorgevollmacht. Ziel ist es, dass der Betroffene selbst entscheidet. Für den Fall, dass dies nicht mehr möglich ist, sollte schon im Vorfeld ein Mensch des Vertrauens dazu bevollmächtigt werden, die letzte Entscheidung im Sinne des Patienten zu treffen. Gibt es eine solche Vollmacht nicht, wird mit Hilfe der Angehörigen und Pflegenden versucht, den mutmaßlichen Patientenwillen zu erheben, wonach sich auch das Gesetz richtet. Die Letztentscheidung fällt der Arzt - im Zweifel für das Leben.