Michael Landau, wie man ihn sonst nicht sieht: als "Lebensmaske". - © Caritas/Dieter Brasch
Michael Landau, wie man ihn sonst nicht sieht: als "Lebensmaske". - © Caritas/Dieter Brasch

Wien. Auf eine gewisse Art hat Burgl Baustädter Glück. "Ich lebe ohne Angst, ich fühle mich bereit für den Weg, der vor mir legt", sagt sie. Das können nicht viele in ihrer Situation von sich behaupten. Denn Burgl Baustädter ist unheilbar an Krebs erkrankt, die Prognose ist denkbar schlecht.

Im vergangenen Juli wurde bei ihr ein nicht operabler Tumor festgestellt. Gegen den Rat von Ärzten und Bekannten entschied sich die damals 69-Jährige gegen eine Chemotherapie. "Ich habe die Krankheit auf wundersame Weise sofort annehmen können", sagt Baustädter. Nachsatz: "Das ist ein Geschenk." Mit einer komplementärmedizinischen Behandlung schaffte sie es, einigermaßen fit zu werden - für ein großes Projekt: Die 70-Jährige will Wien zu Fuß umrunden. Etappenweise wagt sie sich an die 120 Kilometer des "Wien-rundumadum"-Wanderwegs - jeden Mittwoch und Samstag ist sie gemeinsam mit Menschen, die gerade Lust und Zeit haben, auf einem Teilabschnitt des Wegs unterwegs.

Baustädter hat damals gerade noch einen Platz im Tageshospiz St. Barbara der Caritas in Alterlaa bekommen, mittlerweile gibt es wieder eine Warteliste - und das für Menschen, die nicht mehr allzu lange warten können. Um auf das Problem der mangelnden Finanzierung hinzuweisen, haben am Dienstag Caritas-Präsident Michael Landau, der ärztliche Leiter der Caritas der Erzdiözese Wien, Harald Retschitzegger, und der Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft, Herbert Watzke, zur gemeinsamen Pressekonferenz geladen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die neue Caritas-Kampagne präsentiert, für die Prominente wie Christiane Hörbiger, Cornelius Obonya oder Barbara Stöckl "Lebensmasken" von sich anfertigen ließen und in Videos ihre Vorstellungen vom Sterben erklären.

"Der Sterbende ist ein Lebender bis zuletzt", betonte Landau, von der Politik werde das aber ignoriert, genauso wie die Tatsache, dass Sterbende und ihre Angehörigen Unterstützung brauchten. Er wiederholte die Forderung der Caritas nach einem Rechtsanspruch auf Palliativ- und Hospizversorgung und den Ruf nach einer Finanzierung aus einer Hand. Denn der Grund dafür, dass das Tageshospiz der Caritas in Alterlaa - das einzige seiner Art in Wien und eines von drei in Österreich - Wartelisten hat, liegt zu einem Gutteil darin, dass es nur zwei Tage in der Woche geöffnet haben kann, weil es ausschließlich aus Spenden finanziert wird. Während nämlich Palliativpflege und Palliativmedizin der Gesundheitsversorgung zugerechnet und damit von den Krankenkassen getragen werden, ist die Finanzierung von Hospizarbeit als "Sozialthema" Landessache.

"Miserables Zeugnis"

Das ist mit ein Grund dafür, dass der Plan zur abgestuften Hospiz- und Palliativpflege der Bundesgesundheitsagentur aus 2004, der bis 2010 hätte umgesetzt sein sollen, bis heute nur zu rund 50 Prozent erfüllt ist. "Das ist ein miserables Zeugnis für Politiker in Bund und Ländern", sagte Landau, der auch von einem "Ping-Pong-Spiel auf dem Rücken Sterbender" sprach.

Retschitzegger forderte eine bessere Integration von Hospiz und Palliative Care in das Gesundheitssystem und die Pflegeheime - die Menschen sollen auch sterbend in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Watzke sprach sich gegen eine Öffnung des assistierten Suizids aus. Er schilderte den Fall eines Mannes, der immer Suizid in Betracht gezogen habe, sich dann aber entschied, eine Antibiotikatherapie, die eigentlich nur noch den Sterbeprozess hinausgezögert hat, durchführen zu lassen.

Auch Burgl Baustädter hat in einer Patientenverfügung festgehalten, dass sie nicht übertherapiert werden will. Nach der Erzählung Watzkes ist sie sich da nicht mehr ganz so sicher.