Der ÖBIG-Plan und seine Weiterentwicklung soll auch Thema in der parlamentarischen Enquete-Kommission zum Thema Sterbehilfe sein. Neben einer Finanzierung, die alle Beteiligten (Gesundheits- und Sozialressort, aber vor allem auch die Länder und Gemeinden), garantieren können, fordert Huainigg eine Verankerung der Palliativmedizin in der Ärzteausbildung - mit dem neuen Studienplan kommt zwar kaum jemand an dem Thema vorbei, dies müsse aber ausgebaut werden. Ebenso notwendig seien eine Facharztausbildung und mehr Hilfe für pflegende Angehörige. Und natürlich die Verankerung des Sterbehilfeverbots in der Verfassung. Wie berichtet, fordert die Volkspartei die Verankerung der Menschenwürde und des Rechts, in Würde zu sterben. Damit können die anderen Parteien leben - das Problem ist der ebenfalls von den Schwarzen geforderte Satz "Tötung auf Verlangen ist gesetzlich zu verbieten", der ohnehin schon einfachgesetzlich geregelt ist und daher keine Mehrheit im Parlament hätte. Huainigg hält eine Verfassungsbestimmung dennoch für notwendig, er sieht andernfalls die Gefahr einer Anlassgesetzgebung. Verfassungssprecher Wolfgang Gerstl, mit dem gemeinsam Huainigg eine Broschüre zum Thema Sterben in Würde unter die Parlamentarier bringen will, regt gar eine Generalsanierung der Verfassung zum 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2020 an.

Zurück ins Hospiz: Auf einem grünen Sofa in der Mitte der Station räkelt sich Kater Moritz - "er geht auch ganz gern auf Visite", erzählt der ärztliche Leiter Karlheinz Wiesinger. Man ist hier sichtlich um eine heimelige Atmosphäre bemüht. Es gibt einen Garten, die Verwandten können jederzeit zu Besuch kommen und auch hier übernachten, rund um die Uhr sind zwei bis drei Pflegekräfte und ein Arzt anwesend.

Betreuung durch die Familie
ist "sehr wichtig"

Der Großteil der 300 jährlich hier betreuten Patienten leidet unter Tumorerkrankungen. Neben der Symptomkontrolle und der psychologischen Betreuung ist "Familie sehr wichtig", sagt Wiesinger. "Wir haben alles hier: die Ehefrau, die der Geliebten über den Weg läuft, oder Kinder, die sich eigentlich mit den Eltern zerstritten haben." Während manche Schwierigkeiten hätten, ihr Schicksal zu akzeptieren, planen andere schon minutiös das eigene Begräbnis. Nur den Wunsch nach Sterbehilfe hat Wiesinger in den 17 Jahren seiner Tätigkeit hier noch nie gehört. Und es gibt auch schöne Erlebnisse: Erst im Sommer hat ein Patient seine Lebensgefährtin im Hospiz geheiratet. "Wir versuchen, dem Leben jeden Tag einen Wert zu geben", sagt Wiesinger. Gerade, wenn der Betroffene, wie in diesem Fall, zwei Wochen später stirbt.