Wien. (kats/apa) Die Gretchenfrage wurde nicht gestellt. Denn bei der ersten Arbeitssitzung der parlamentarischen Enquete-Kommission zum Thema Sterben in Würde nach der Sommerpause am Mittwoch ist man der heiklen Frage nach der Verankerung des Sterbehilfe-Verbots in der Verfassung ausgewichen. Stattdessen ging es um rein Organisatorisches, wie die Vorsitzende der Kommission, Gertrude Aubauer (ÖVP), nach der Sitzung erklärte.

So wurde vereinbart, dass am 7. November die große Auftaktveranstaltung der Enquete im Plenarsaal des Parlaments stattfinden soll. Zahlreiche Experten - Mediziner, Juristen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen - aus dem In- und Ausland sollen dabei und bei weiteren Gelegenheiten zu Wort kommen. "Wir stehen noch ganz am Anfang und sind sehr offen für alles", so Aubauer zur "Wiener Zeitung".

Schwerpunkt bei Hospiz, nicht bei Verfassungsänderung

Der Arbeitsschwerpunkt liege jetzt erst einmal auf dem Thema Ausbau der Hospiz- und Palliativbetreuung. Wie berichtet, hinkt Österreich hinter dem Versorgungsplan aus 2004 hinterher. Laut Dachverband Hospiz ist der Plan zwar bei den Palliativbetten zu 90 Prozent erfüllt, bei der stationären Hospizbetreuung fehlen aber noch fast die Hälfte der notwendigen Betten.

Auch über die Finanzierung wird sich die Enquete-Kommission Gedanken machen. Bisher scheitert eine flächendeckende Versorgung auch an den unterschiedlichen Zuständigkeiten für Hospiz- und Palliativversorgung. Das Sozialministerium geht von Kosten von 44 bis 60 Millionen Euro für den flächendeckenden Ausbau bis 2020 aus. Laut Aubauer ist diese Rechnung aber unvollständig. Bis 15. September konnten Stellungnahmen eingesandt werden. Insgesamt sind 600 Stellungnahmen "von Stakeholdern, aber auch sehr bewegende Geschichten von Pflegenden" eingegangen. Diese werden nun auf der Website des Parlaments veröffentlicht.