"Vorsichtiger geworden"

Damit geht Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, konform. Und ergänzt: "Aus meiner Sicht ist die Medizin vorsichtiger geworden, was Maßnahmen betrifft, um ein schwaches Leben zu verlängern." Es gäbe auch keine Pflicht der Ärzteschaft, ein sich abzeichnendes Sterben in die Länge zu ziehen. Wichtig ist, dass ein offener Dialog nach ethnischen Standards mit der Familie stattfindet und ein klares Bild der Situation zu vermitteln. Vor allem wenn keine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht des Patienten vorliegt. "Einen vertrauten Menschen gehen zulassen, ist schwierig. Und Familien glauben aus diesem Grund, alles Erdenkliche tun zu müssen. Da geht es leider selten Lebensqualität des Betroffenen." Außerdem müsse man laut Chalupka von Fall zu Fall unterscheiden. Mädchen leiden oft an Bulimie. Andere Menschen an Depressionen. "Da muss man abwägen, ob der freie Wille noch gegeben ist."

Der Wille von Marion M. war jedenfalls klar. Sie verkürzte ihr Leben, das wahrscheinlich ohnehin bald geendet hätte. Sie hatte den Weg des Sterbefastens gewählt, um sich nicht von aktiver Hilfe abhängig zu machen. Für sie war das ein Ausdruck von Autonomie und Freiheit.