Wien. Die Regierung wird sich der Frage nach einer möglichen Liberalisierung der Sterbehilfe in Österreich nicht entziehen können. Der Trend in Europa geht klar in diese Richtung. Im Programm der von der Regierung initiierten Sterbehilfe-Kommission wurde vermerkt, dass man sich im Jänner mit dem Grundrecht eines würdevollen Sterbens befassen und Regelungen aus dem Ausland hinzuziehen wird. Stellvertreter des Kommissions-Vorsitzes zur Sterbehilfe, Hannes Jarolim (SPÖ) sagt, dass dafür im weiteren Verlauf dem Thema mehr Platz eingeräumt werden soll. Für Wolfgang Gerstl, Nationalratsabgeordneter der ÖVP, ist eine Liberalisierung des Verbots kein Thema. "Aus ÖVP-Sicht sicher nicht. Niemand hat etwas diesbezüglich vorgeschlagen." Wichtig sei derzeit die Bearbeitung der Gesetzgebung von Palliativ- und Hospizbetreuung.

Maria Kletecka-Pulker, Mitglied der Bioethikkommission, möchte den Begriff Sterbehilfe gar nicht mehr verwenden. Um Rechtssicherheit und Klarheit für Ärzte zu schaffen, wolle man in Zukunft wie folgt unterscheiden: Aktive, passive und indirekte Sterbehilfe wären durch die Termini Sterbebegleitung, Therapie am Lebensende und Sterben lassen zu ersetzen. Hinzu kommt die Mitwirkung am Selbstmord sowie die Tötung auf Verlangen. Beides ist in Österreich verboten.

Die Initiative "Letzte Hilfe" geht einen Schritt weiter und setzt sich für den hierzulande verbotenen ärztlich-assistierten Suizid unter strengen Auflagen ein. Sie möchte einen Diskurs über eine Liberalisierung des Verbots führen. Die Vereinsgründung wurde der Bewegung bisher untersagt. Sie wäre nicht gestattet, "wenn der Verein nach seinem Zweck, seinem Namen oder seiner Organisation gesetzwidrig wäre", steht in der Begründung der Polizeidirektion Wien geschrieben. Mit dem Verweis auf Paragraf 78 (Mitwirkung am Selbstmord) des Strafgesetzbuches.

Das Oregon-Modell

Der Verein bleibt in Österreich nicht genehmigt. Eine Änderung des Status ist nicht absehbar. "Wir hinken in Österreich immer hinterher. Es ist natürlich katholisch geprägt. Aber die umliegenden Länder in Europa sind in dieser Frage zum Teil deutlich liberaler als wir. Dabei unterscheidet uns ökonomisch und gesellschaftlich wenig", sagt der Vorsitzende Eytan Reif. "Vom Oregon-Modell sind wir noch weit entfernt."

Die Initiative bezieht sich auf das Modell des Oregon Death with Dignity Act. Zu der Welle an Selbstmorden, die Kritiker einst befürchteten, kam es in US-Bundesstaat Oregon nicht. Seit der Einführung 1997 nahmen sich insgesamt 752 Männer und Frauen in Oregon mit einer Überdosis Pentobarbital oder Secobarbital das Leben. Die Zahlen stiegen über die Jahre kontinuierlich an; 2012 weist die jüngste Statistik 85 Suizide aus. Hauptsächlich nehmen Krebspatienten diese Möglichkeit in Anspruch. Auf 1000 Todesfälle sind im Schnitt zwei auf das Sterbehilfegesetz zurückzuführen. Interessant ist aber, dass etwa ein Drittel das todbringende Medikament zwar verschrieben bekommt, es aber nicht nutzt. Die Möglichkeit reicht offenbar aus.