Juba/Wien. (klh) Es war ökonomischer Selbstmord: Im Streit um Transitgebühren mit dem Nachbarland Sudan hat der Südsudan vor etwa einem Jahr beschlossen, eine Pipeline, die durch den Sudan führt, nicht mehr zu beliefern. Diese Pipeline ist aber die einzige Möglichkeit für das Binnenland Südsudan, sein Erdöl zu exportieren. Damit kam die gesamte Erdölproduktion zum Erliegen - und die sorgt in dem ohnehin schon bitterarmen Staat, der seine Bevölkerung kaum ernähren kann, für den Großteil der Staatseinnahmen.

Nun lässt der Südsudan aber das Erdöl wieder fließen: Nach zähen Verhandlungen unter Vermittlung der Afrikanischen Union (AU) haben der Sudan und der Südsudan ihren Streit beigelegt und ein Abkommen unterzeichnet. In spätestens drei Wochen könne man die Erdölproduktion und in der Folge den Export wieder aufnehmen, sagte die südsudanesische Regierung. Auch der Sudan bekommt damit wieder dringend benötigte Transit-Einnahmen in seine Staatskassa.

Die Einigung im Ölstreit ist nicht die einzige Annäherung zwischen den beiden Staaten, deren Beziehungen in den vergangenen Monaten so angespannt waren, dass Beobachter gar vor einem Krieg warnten. Beide Seiten einigten sich auch darauf, ihre Soldaten von der Grenze abzuziehen und eine entmilitarisierte Pufferzone einzurichten. An der Grenze war es im vergangenen Jahr zu Gefechten zwischen dem Sudan und dem Südsudan gekommen. Andere Konflikte bleiben aber vorerst ungelöst: So ist die Zukunft der umstrittenen Grenzregion Abyei, auf die beide Seiten Anspruch erheben, weiter unklar.

Der Südsudan erlangte nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg im Juni 2010 die Unabhängigkeit vom Sudan. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten hat sich aber nie entspannt.