Damaskus. (red) Die syrische Armee ist offenbar fest entschlossen, den von Rebellen gehaltenen Osten Aleppos rasch einzunehmen. Nach tagelangen Luftangriffen - am Mittwoch wurden zwei Krankenhäuser im Ostteil der Stadt zerstört - sind die Truppen von Staatschef Bashar al-Assad zur Bodenoffensive angetreten, es wird an mehreren Fronten gekämpft. Die Armee konnte offenbar Geländegewinne verzeichnen. Die Assad-Truppen bewegen sich unter der Führung einer Eliteeinheit in gepanzerten Fahrzeugen nach Osten, heißt es. Auch im Südwesten der Stadt wurden Gefechte gemeldet. Zudem griff die Regierung die Palästinenser-Siedlung Handarat im Norden der Stadt an. Ein Grund für den derzeitigen militärischen Erfolg Assads ist die Unterstützung durch die russische Luftwaffe, die Rebellen haben keine Flugzeuge.

Das Scheitern der jüngsten Feuerpause könnte nach Einschätzung von US-Regierungsvertretern zur Verbreitung von Luftabwehrgeschossen bei Rebellen führen. Es steige die Wahrscheinlichkeit, dass Golfstaaten Aufständische mit tragbaren Raketen ausrüsteten, mit denen sie Hubschrauber und Flugzeuge abschießen könnten, so ein Regierungsinsider. Dies hätten die USA bislang verhindert. In Washington will man nicht, dass derartiges hocheffektives Kriegsgerät in die Hände radikaler Islamisten fällt.

Die Rebellen sind zuletzt in den Besitz von Boden-Bodenraketen vom Typ Grad mit einer Reichweite von 22 bis 40 Kilometer gelangt. "Ausländische Staaten" hätten die Waffen als Antwort auf die Großoffensive auf Aleppo geliefert, sagte ein Rebellen-Kommandant. Die Raketen sollen in Aleppo, Hama und an der Küste zum Einsatz gebracht werden. Ein Video, das am Montag auf YouTube gestellt worden war, zeigt Kämpfer der Freien Syrischen Armee, die neu erworbene Grad-Raketen auf Stellungen der Armee bei Aleppo feuern. Die Rebellen werden von Staaten auf der Arabischen Halbinsel über ein in der Türkei befindliches und von den USA unterstütztes Verteilerzentrum versorgt.

Militärische Entscheidung schier unmöglich

Damit wird klar, warum im Syrien-Krieg, der mittlerweile mehr als fünf Jahre dauert, keine militärische Entscheidung fällt. Droht einer Seite die Niederlage, greifen ausländische Mächte entweder direkt militärisch oder via Waffenlieferungen ein, um eine kriegsentscheidende Wende zu verhindern. Gerät die syrische Armee, die laut Militärexperten ohne Hilfe längst am Ende wäre, zu deutlich ins Hintertreffen, sind der Iran und Russland zur Stelle. Droht den Rebellen der Untergang, stehen Saudi-Arabien und die Türkei mit Waffenlieferungen parat - die beiden Länder wollen unter allen Umständen den Sturz Bashar al-Assads.