Aleppo. Der Einsatz zur Evakuierung der Rebellengebiete in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo hat begonnen. Krankenwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes brachen in die von der Opposition kontrollierten Stadtviertel im Osten der Stadt auf, wie eine IKRK-Sprecherin bestätigte.

Die Evakuierung ist längst überfällig. Es gibt wegen der monatelangen Belagerung kaum noch Trinkwasser und  kaum Nahrungsmittel. Die medizinische Versorgung ist zusammengebrochen. IKRK-Regionaldirektor Robert Mardini zitiert auf Twitter eine Kollegin, die in Ost-Aleppo ist: "Ich habe noch nie zuvor dieses Ausmaß menschlichen Leids gesehen."

Livebilder im Fernsehen zeigten, wie sich zudem rund 20 Busse die vom Regime kontrollierten Gebiete verließen. Nach Angaben des IKRK sollen zunächst etwa 200 bis 250 Verletzte aus der Stadt gebracht werden. Nach Angaben des russischen Generalstabs werden im Verlauf des Abzugs rund 5.000 Kämpfer und ihre Angehörigen Ost-Aleppo verlassen. Der dafür eingerichtete Korridor sei 21 Kilometer lang, sagte Generalstabschef Waleri Gerassimow der Agentur Interfax zufolge.

"Als erstes werden die Verwundeten, die Kranken und dann die Aktivisten und Journalisten abtransportiert", sagte Fares al-Shehabi, ein Abgeordneter des syrischen Parlaments. Anschließend würden die "Terroristen" folgen. Mit diesem Begriff bezeichnet das Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad alle Aufständischen. Der Politiker sagte weiter, die Aufständischen würden in die südwestlich von Aleppo gelegene Provinz Idlib gebracht. Diese Region steht größtenteils unter Kontrolle der Opposition.

Mehrfach pendeln am Donnerstag die 20 grünen Busse hin und her und transportieren Menschen ab. Nicht alle werden es sofort hinausschaffen. Zahlreiche Menschen bleiben zurück in den Trümmern. Aktivisten beschreiben den Abschied von ihren Familien als "herzzerreißend". "Die Menschen wollen die Stadt so sehr verlassen und sich und ihre Familien in Sicherheit bringen", sagt ein Aktivist mit Namen Wissem. "Auf der anderen Seite lassen sie auch ihr Land, ihre Heimat, zurück. Für uns ist das ein sehr trauriger Tag."

Angriffe auf Krankentransport

Unmittelbar vor der geplanten Evakuierung haben regierungstreue Milizen am Donnerstag einen Krankentransport angegriffen. Der Konvoi mit Verletzten sei unter Beschuss genommen worden, noch bevor er das Rebellengebiet verlassen konnte, teilte der Chef des Rettungsdienstes mit. Dabei seien drei Menschen verletzt worden, darunter ein Sanitäter.