• vom 05.02.2016, 21:08 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land


Syrien

"Damit die Kinder eine Zukunft haben"




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Von Sylvio Hoffmann

  • Im Nordosten Syriens nehmen christliche Frauen die Verteidigung ihres Landes und ihrer Familien in die eigenen Hände.



Qamischli. In der linken Hand hält sie die Ausweispapiere eines Motorradfahrers, in der rechten ihre Maschinenpistole, Marke AK-47. Die ernst blickende Kontrolleurin trägt eine olivgrüne Uniform, darüber eine dunkle Brustweste, ihr schwarzer Zopf fällt über die linke Schulter. Bahra, so heißt die junge Frau, gehört einer christlichen Frauen-Einheit der assyrischen Sicherheitspolizei Sutoro an. Sie schiebt gerade Dienst an einem Checkpoint im Christenviertel von Qamischli, einer nordostsyrischen Stadt an der Grenze zur Türkei. Die Einheit organisiert den Selbstschutz der zwischen die Fronten geratenen christlichen Minderheit. Qamischli wird größtenteils von Truppen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kontrolliert, kleine Teile hält die Assad-Armee, auch russische Soldaten befinden sich vor Ort.

Bahras Mutter Simai ist die Kommandeurin der Fraueneinheit in Qamischli. Die Truppe existiert seit sieben Monaten, Anfang Jänner haben sie in der Stadt Stellung bezogen. Knapp 50 Kämpferinnen sind hier, 150 weitere sind in der Stadt Hassakeh stationiert, die knapp 90 Kilometer südwestlich ebenfalls im Dreiländereck Syrien-Türkei-Irak liegt. Drei christliche Glaubensrichtungen sind vertreten: assyrisch, orthodox und katholisch. Ende des Jahres konnten kurdisch-arabische Rebellengruppen der im Oktober gegründeten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) den Euphrat-Staudamm vom sogenannten Islamischen Staat (IS) zurückerobern. Verschiedene christliche Milizen sind Teil dieser Koalition.


Mutter und Tochter
kämpfen an der Front



Bald geht es für Mutter und Tochter zur Front an den Tischrin-Staudamm, ein weiterer wichtiger strategischer Punkt am Euphrat, 90 Kilometer östlich von Aleppo. Ergreifende Szenen spielen sich ab, vielleicht sehen sich beide zum letzten Mal. "Ich bin sehr stolz auf Bahra", sagt die 46-Jährige unter Tränen. "Aber der Kampf ist notwendig, um unsere Familien zu beschützen und damit unsere Kinder eine Zukunft haben." Noch dienen die Frauen als Reserve für die Männer, bald könnten sie Kampferfahrung sammeln. "Wir sind glücklich, dass die Frauen kämpfen", sagt Metamaty, der Anführer einer aus männlichen Milizionären bestehenden Sutoro-Einheit.



Es ist nicht nur der Daesch - so wird der IS im arabischen Raum abwertend bezeichnet - der Simai Sorge bereitet. Es gibt auch zwischen den verschiedenen Ethnien und religiösen Gruppen eine Menge Misstrauen. Das Verhältnis zu den anderen Milizen sei zwar gut, betont die Syrerin. "Aber die Lage ist trotzdem angespannt." Ein männliches Mitglied einer christlichen Einheit sagt: "Wir stehen zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite ist das Assad-Regime, das uns Zusammenarbeit mit der Opposition unterstellt. Auf der anderen Seite die Opposition, die uns Kollaboration mit Damaskus unterstellt." Simai sagt, dass sie nur vereint mit den kurdischen Volksverteidigern von der YPG und anderen Kräften eine Chance haben, den Daesch zu schlagen.

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Dokument erstellt am 2016-02-05 17:14:07
Letzte Änderung am 2016-02-05 18:05:12



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