Damaskus/Teheran. (af) Syriens umstrittener Langzeitmachthaber Bashar al-Assad kann sich freuen. Seine stärksten Unterstützer in der Region, Russland und der Iran, haben ihm neuen strategischen, militärischen, finanziellen und personellen Nachschub versprochen. Dass die Sache für die Assad-Bündnispartner "causa prima" ist, zeigte sich schon vor ein paar Tagen, als die Verteidigungsminister des Iran, Russlands und Syriens in Teheran samt einer Reihe von Topexperten aus Wirtschaft, Politik und den jeweiligen Militärs darüber abgestimmt hatten. Das offizielle Resultat des eintägigen Treffens der Minister Hossein Dehghan (Iran), Fahd Jassem al-Freij (Syrien) und Sergej Schojgu (Russland) war, dass man "die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiterhin konsequent bekämpfen würde".

Zudem gab es die Zusicherung, dass Assad sich weiterhin auf seine Verbündeten verlassen kann. Längst geht es nicht mehr nur um Syrien, sondern um das Mächteverhältnis in der gesamten Region. Als eine ernsthafte Gefahr würden Russland, Syrien und der Iran es ansehen, wenn die USA und Saudi-Arabien einige der Terrorgruppen als moderate Rebellen einstufen würden. Teheran und Moskau sind an der Seite Assads direkt an den Kämpfen gegen den IS und andere islamistische Truppen beteiligt. Riad und die USA hingegen unterstützen militärisch Milizen, die Syriens Machthaber stürzen wollen.

Milliardenkredite und technisches Know-how

Assad weiß, wie sehr er vor allem von Teheran abhängt. Ohne die direkte und indirekte Hilfe durch die schiitische Hisbollah-Miliz und die iranischen Al-Quds-Brigaden wäre er wohl schon längst Geschichte. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen lieferte der Iran neue Milliardenkredite und sonstige Hilfsleistungen wie technisches Know-how (darunter Abhörgeräte und Telefonkoppelungssysteme) nach Damaskus. Personelle Ressourcen aus der Islamischen Republik und "neue technische Hilfsmittel zur Bekämpfung der Feinde" standen ebenfalls auf der Lieferungsliste.

Auch Russland hält der Führung in Damaskus die Stange: Auf Anweisung von Kremlchef Wladimir Putin reiste der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu am Montag überraschend nach Syrien und beriet dort mit Assad über die militärische Zusammenarbeit. Zudem besuchte er die russischen Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Hamaimim in der Provinz Latakia. Dort ließ er sich über den Stand des Militäreinsatzes in Syrien informieren und die Startposition von S-400-Luftabwehrraketen zeigen.

Indes sollen türkische Grenztruppen nach einem Bericht der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zum Sonntag mindestens elf Flüchtlinge aus Syrien erschossen haben, darunter zwei Frauen und vier Kinder. Die türkische Armee wies diese Darstellung zurück. Seit Anfang des Jahres sind laut Menschenrechtsorganisationen fast 60 Zivilisten auf der Flucht aus Syrien von türkischen Grenzwächtern erschossen worden.