• vom 12.02.2018, 09:39 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land

Update: 13.02.2018, 09:54 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Wer kämpft gegen wen auf dem syrischen Schlachtfeld?




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Von WZOnline, APA, AFP, Ulrich von Schwerin

  • Explosiver Stellvertreterkrieg findet in Syrien statt.

Zerstörung soweit das Auge reicht. Ghouta vor der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Zerstörung soweit das Auge reicht. Ghouta vor der syrischen Hauptstadt Damaskus.© APAweb/Reuters, Bassam Khabieh Zerstörung soweit das Auge reicht. Ghouta vor der syrischen Hauptstadt Damaskus.© APAweb/Reuters, Bassam Khabieh

Damaskus. Mit dem Abschuss eines israelischen Kampfflugzeugs, das zuvor iranische Stellungen in Syrien angegriffen hatte, droht eine weitere Eskalation des vielschichtigen Syrien-Konflikts. Was als Bürgerkrieg begann, ist längst zu einem Stellvertreterkonflikt geworden, in dem diverse Mächte in verschiedenen Frontstellungen um Einfluss ringen.

Dabei droht nicht nur zwischen Israel und dem Iran eine offene Konfrontation, sondern auch zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA.

ISRAEL GEGEN IRAN

Israel ist seit Jahren alarmiert über die wachsende Präsenz der iranischen Revolutionsgarden und Teheran-treuer Milizen in Syrien. Insbesondere befürchtet Israel, dass sich die libanesische Hisbollah-Miliz an den Golan-Höhen im Südwesten Syriens festsetzt und mit iranischer Hilfe Präzisionsraketen erlangt oder - schlimmer noch für Israel - selbst Fertigungsanlagen in Syrien errichtet, um solche Flugkörper herzustellen.

Seit Beginn des Syrien-Konflikts 2011 flog die israelische Luftwaffe daher rund hundert Angriffe auf Waffenkonvois für die Hisbollah, Waffenfabriken und iranische Stellungen. Israel will um jeden Preis verhindern, dass der Erzfeind einen Luftwaffen- oder Marinestützpunkt errichtet. Die Angriffe wurden von Russland geduldet, obwohl es mit dem Iran und der Hisbollah aufseiten der Regierungstruppen kämpft.

RUSSLAND GEGEN REBELLEN

Seitdem Russlands Präsident Wladimir Putin im September 2015 aufseiten von Machthaber Bashar al-Assad in den Konflikt eingegriffen hat, wurden die Rebellen auf wenige Enklaven zurückgedrängt. Ebenso wie der Iran will Russland den Sturz Assads verhindern, da dies seine Interessen in der Region bedrohen würde. Allerdings decken sich Moskaus Interessen nicht überall mit denen Teherans.

Mit dem Einsatz hat sich Russland als Ordnungsmacht in der Region etabliert und als wichtiger Makler beim Ringen um die Nachkriegsordnung installiert. Mit dem Iran und der Türkei setzt sich Russland für regionale Waffenruhen in Idlib, Ost-Ghuta und den Rebellengebieten im Südwesten ein. Zugleich unterstützt die russische Luftwaffe allerdings derzeit eine Großoffensive der Regierungstruppen gegen die Rebellen in Idlib.

TÜRKEI GEGEN KURDEN

Die syrisch-russische Offensive stößt bei der Türkei auf Kritik, da sie die Waffenruhe in Idlib überwachen soll und eine neue Flüchtlingswelle befürchtet. Zudem unterstützt Ankara bis heute die Rebellen und dringt auf den Sturz des Kreml-Verbündeten Assad. Allerdings hat ein Regimewechsel in Damaskus für die Türkei nicht länger Priorität, da es ihr vor allem darum geht, den Einfluss der Kurden im Norden Syriens zurückzudrängen.

Seit Jänner geht die türkische Armee daher gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin vor, die eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden sind. Während Russland die türkischen Angriffe auf die YPG duldet, toleriert die syrische Regierung, dass die YPG durch ihr Gebiet Verstärkung nach Afrin bringt. Zwar will sie keine kurdische Autonomie - doch türkische Truppen in Nordsyrien will sie auch nicht.

USA GEGEN JIHADISTEN

Die USA bringt die türkische Offensive in ein Dilemma, da die Türkei ein wichtiger NATO-Partner ist, sie zugleich aber die YPG als schlagkräftigen Verbündeten gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) schätzen. Auch wenn die Extremistengruppe in Syrien und dem Irak weitgehend besiegt ist, wollen die USA an dem umstrittenen Bündnis mit der YPG festhalten, um ein Wiedererstarken der IS-Miliz zu verhindern.

Sollte die Türkei ihre Offensive auf YPG-Gebiete ausdehnen, in denen auch US-Soldaten stationiert sind, droht eine direkte Konfrontation der NATO-Partner. Auch mit den Regierungstruppen drohen Zusammenstöße, nachdem diese kürzlich in Ostsyrien die Kurden attackierten. Schließlich droht auch ein Konflikt mit dem Iran, den US-Präsident Donald Trump neben den Jihadisten als größte regionale Bedrohung ausgemacht hat.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 09:40:05
Letzte Änderung am 2018-02-13 09:54:16



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