• vom 15.07.2018, 18:30 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land

Update: 16.07.2018, 11:42 Uhr

Diplomatie

Haudegen gegen Strategen




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerhard Lechner und Michael Schmölzer

  • Nach einer Reihe beispielloser Eklats trifft US-Präsident Trump auf seinen russischen Widerpart Wladimir Putin. Die ganze Welt blickt gebannt nach Helsinki.

- © afp/Kudryavtsev

© afp/Kudryavtsev




© afp/Klimentyev © afp/Klimentyev

Wien. Donald Trump setzt den Verbündeten der USA das Messer an den Hals, den Widersachern Washingtons klopft er auf die Schultern. Die Reise des Amerikaners durch Europa, die Treffen mit den Verbündeten wurden von Teilnehmenden mit einer Hochschaubahnfahrt verglichen: Auf den Vernichtungsschlag folgte Lob in höchsten Tönen. Wobei es wohl vor allem der britischen Premierministerin Theresa May den Magen ausgehoben haben dürfte: Sie musste sich zuerst von Trump in Sachen Brexit schulmeistern lasen, dann wurde ihr größter Konkurrent Boris Johnson von Trump als vielversprechender Premier gelobt und ein Handelsabkommen nach dem EU-Austritt massiv in Frage gestellt.

Während sich die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten noch von den Schockerlebnissen des Brüssel-Gipfels erholen, blickt alles gebannt und mit verständlicher Nervosität nach Helsinki. Dort wird am Montag das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und seinem russischen Amtskollegen über die Bühne gehen und alles fragt sich, welche unangenehmen Überraschungen Trump diesmal parat hat. Ob und welche Bombe er dort platzen lassen wird. Im Vorfeld ließ Trump wissen, dass er Putin als "Konkurrenten" wahrnehme, nicht als "Freund", dafür kenne man sich noch nicht gut genug. Er, Trump, erwarte aber, dass er mit Putin ganz hervorragend zurecht kommen werde. Das Treffen in Helsinki werde das einfachste seiner gesamten Reise werden, so Trump. Hoffentlich werde Putin dort ein guter Freund.

Dass genau das eintritt, befürchten Trumps Parteikollegen, darunter niemand geringerer als US-Senator John McCain, Ex-Präsidentschaftskandidat und Doyen der US-Konservativen. Der US-Präsident müsse seine beunruhigende Tendenz ändern, den Gegnern Amerikas die Ehrerbietung und Hochachtung zuteil werden zu lassen, die eigentlich für unsere Verbündeten bereitgehalten werden sollte", so der schwerkranke McCain.

Parallele zu Nordkorea

In der Tat werden im Vorfeld des Treffens Parallelen zum Treffen Trumps mit Kim Jong-un gezogen. Der US-Präsident hat den nordkoreanischen Diktator im Juni vor großer Kulisse in Singapur getroffen - voll des Lobes und auf gleicher Augenhöhe. Eine große Inszenierung, wie immer, wenn Trump auftritt. Der selbstverliebte Tycoon wollte damit seine Fähigkeiten als Dealmaker unter Beweis stellen, geblieben ist abseits von Glanz und Glamour kaum mehr als ein schaler Nachgeschmack.

Zwar spricht auch Kim Jong-un von einem "epochalen Fortschritt" in den Beziehungen zur USA, in der Substanz hat sich aber nicht viel verändert. Von einem kompletten Abbau des nordekoreanischen Atomprogramms, wie in Singapur zugesagt, kann keine Rede sein. Es gibt kein Indiz, dass dieser Abbau in Angriff genommen würde. Das wäre aus Sicht Nordkoreas auch völlig widersinnig und so, als würde man seine Lebensversicherung mutwillig aufs Spiel setzen. Erst vor wenigen Tagen hat Nordkorea den USA vorgeworfen, "gangstermäßige" und "gierige" Forderungen hinsichtlich der atomaren Abrüstung gestellt zu haben. "Es sieht so aus, als hätten die USA unseren guten Willen und unsere Geduld missverstanden".




weiterlesen auf Seite 2 von 4




Schlagwörter

Diplomatie, USA, Russland

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 18:41:22
Letzte Änderung am 2018-07-16 11:42:23



Werbung



Syrien

Türkei bombardiert US-unterstützte Kurdenmiliz

Istanbul/Kobane. Die türkische Armee hat am Sonntag im Norden Syriens Stellungen der von den USA unterstützten kurdischen Volksverteidigungseinheiten... weiter




Syrien

Leise Hoffnung, aber kein Durchbruch

20181028TURKEY-RUSSIA-SYRIA-FRANCE-GERMANY-POLITICS - © APAweb/AFP, KLIMENTYEV Istanbul. In Istanbul hat ein ungewöhnliches Quartett über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien beraten. Als alles schon fast vorbei war... weiter




Syrien

Vierer-Gipfel fordert Verfassungskomitee bis Jahresende

20181027GERMANY-POLITICS - © APAweb/AFP, SHIPENKOV Istanbul. Der Vierer-Gipfel in Istanbul hat sich auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in Syrien bis Jahresende geeinigt... weiter




Syrien

De Mistura tritt zurück

"Vier Jahre sind genug": De Mistura gibt sein Amt auf. - © afp New York. Der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt "aus persönlichen Gründen" Ende November... weiter




Konflikt

Frist für Idlib-Vereinbarung läuft ab

20181015idlib - © APAweb/AFP, Aaref Watad Beirut. Die syrische Regierung droht mit einem militärischen Eingreifen in der Rebellenprovinz Idlib, sollten die Extremisten nicht den vereinbarten... weiter




Nassib

Grenze zwischen Jordanien und Syrien ist wieder geöffnet

People wait to cross into Syria at Jordan's Jaber border crossing checkpoint near Mafraq - © APAweb / Reuters, Muhammad Hamed Damaskus. Der wegen des Bürgerkriegs seit drei Jahren geschlossene syrisch-jordanische Grenzübergang Nassib ist am Montag wiedereröffnet worden... weiter




Syrien

"Syrien zerfällt"

Ein russischer Militärpolizist, der ab kommender Woche die Pufferzone um Idlib sichern soll. - © afp/Salman Wien. Sieben Jahre Krieg haben in Syrien keinen Stein auf dem anderen gelassen. Die Rebellen waren nach 2011 mehrmals nahe daran... weiter





Twitter Wall



Werbung