Und Trump? Hat der nicht eine Vorliebe für autoritäre Herrscher, wie Putin einer ist? Gärtner winkt ab. "Trump behandelt Putin wie jeden anderen", sagt der Politikwissenschaftler von der Universität Wien. "Er kommt auch gut mit demokratischen Politikern wie dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu aus oder klopft dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf die Schulter. Dass er eine Vorliebe für autoritäre Führer hat, für "strong men", ist letztlich Unsinn", sagt Gärtner. Dem US-Präsidenten gehe es darum, in bilateralen Beziehungen jeden seiner Gegner zu schwächen. Sein Erfolg, meint Gärtner, hänge dabei weitgehend vom Gegenüber ab. "Putin und der chinesische Präsident Xi werden sich nicht so leicht vorführen lassen wie die Europäer".

Als Ergebnis dessen erwartet Gärtner, dass es in Helsinki zu keinem "persönlichen Freundschaftsgetue" zwischen Trump und Putin kommen wird. "Es wird stattdessen harte Gespräche geben", zeigt sich der Politologe überzeugt. Tatsächlich ist es in Zeiten hoher Spannungen zwischen Washington und Moskau schon ein Erfolg, dass überhaupt ein Gipfel stattfindet. "Das Treffen dient aber auch dazu, Spannungen abzubauen", meint Gärtner, ähnlich wie in Zeiten des Kalten Krieges, als es darum ging, trotz aller Gegensätze friedlich zu koexistieren. "Konkrete Ergebnisse des Gipfels erwarte ich mir eher nicht, eine Absichtserklärung wird es aber wahrscheinlich geben", führt der Experte für internationale Beziehungen aus.

An Themen, die man besprechen könnte, mangelt es Trump und Putin gewiss nicht. So droht zwischen Washington und Moskau ein neues Wettrüsten. Putin und Trump setzten beide ostentativ auf eine Politik der Stärke und möchten nicht das Bild schwacher Präsidenten abgeben, die außenpolitisch einlenken müssen. Das mindert die Möglichkeit eines Kompromisses. Gleichzeitig sind die Mittel vor allem Russlands begrenzt. In Moskau erinnert man sich noch gut an das verlorene Wettrüsten aus der Sowjetzeit, das den Haushalt des Landes weit überfordert hatte. Sollte es auf dem Treffen zu Weichenstellungen in Richtung einer vermehrten Rüstungskontrolle kommen, wäre das ein Gewinn für beide Länder. So wären etwa Fortschritte im Ringen um die Verlängerung des neuen Start-Abrüstungsvertrags von 2010, der 2021 ausläuft, ein Erfolg.

Aber auch abseits des Themas Rüstung ist die Liste der Probleme - und damit aber auch die Liste möglicher "Tauschobjekte" bei einem "Deal", wie ihn Trump so liebt - lang. So würde Russland gerne eine Lockerung der US-Sanktionen sehen und eine Verminderung der Nato-Manöver an seiner Grenze. Die USA wiederum brauchen Russland, um einen Rückzug iranischer Kämpfer aus Syrien zu erzwingen - vorausgesetzt, dass das überhaupt möglich ist. Trump hatte mit der Aussage, dass die USA aus den Militärmanövern im Baltikum aussteigen könnten, die Nato-Partner verunsichert und unter Druck gesetzt. Diese Drohung Trumps nimmt Davis allerdings nicht ernst: Das Pentagon und die militärischen Stäbe der USA wüssten nichts davon. Es könnte also auch das gewesen sein, was Trumps Kritiker ihm vorhalten: Ein Ausritt eines unberechenbaren Mannes, ein Teil der Show eines Selbstverliebten, die mit Fakten und Realität wenig zu tun hat.