• vom 05.09.2018, 09:08 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land

Update: 06.09.2018, 09:20 Uhr

Syrien

Wer kontrolliert welche Gebiete in Syrien?




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Von WZOnline, APA, Reuters

  • Syriens Regierung kontrolliert mehr als die Hälfte des Landes.

Zerstörung soweit das Auge reicht in Kafr Batna, Ostghouta. - © APAweb/Reuters, Omar Sanadiki

Zerstörung soweit das Auge reicht in Kafr Batna, Ostghouta. © APAweb/Reuters, Omar Sanadiki

Damaskus. Zu Beginn des Bürgerkriegs bestand Syrien aus einem ganzen Flickenteppich unterschiedlicher Territorien, die sich unter der Kontrolle rivalisierender Gruppen befanden.

Die jahrelangen Kämpfe haben die Fronten bereinigt, heute gibt es nur noch einige wenige Einflussgebiete.

Es folgt eine Liste:

TERRITORIUM UNTER KONTROLLE DER REGIERUNG

Zu ihren schwächsten Zeiten 2015 hatte die Regierung von Präsident Bashar al-Assad nur noch die Herrschaft über weniger als ein Fünftel des Landes. Seit Russland sich jedoch auf Assads Seite militärisch in den Krieg eingeschaltet hat, hat die Regierung weite Teile des Landes wieder unter Kontrolle gebracht. Heute hält sie mehr als die Hälfte Syriens, darunter die bevölkerungsreichsten Regionen, die großen Städte, die Küste, die Grenze zum Libanon und einen Großteil des Grenzgebiets zu Jordanien. Auch die zentralsyrische Wüste und die wichtigsten Gasfelder liegen im Einflussbereich der Regierung.

REBELLEN

1) IDLIB

Die Rebellengruppen, die ohne unmittelbare Hilfe ausländischer Soldaten auskommen müssen, haben nur noch die Kontrolle über ein Gebiet im Nordwesten des Landes. Es umfasst den Großteil der Provinz Idlib sowie einige kleinere benachbarte Regionen der Provinzen Latakia, Hama und Aleppo.

Die schlagkräftigste Gruppierung ist Hayat Tahrir al-Sham (Komitee zur Befreiung Großsyriens). Das jihadistische Bündnis wird vom früheren syrischen Ableger von Al-Kaida angeführt, der sich ursprünglich Nusra-Front nannte. Die Vereinten Nationen, die USA und die Türkei stufen die Gruppe als Terrororganisation ein. Die Türkei hat aus mehreren anderen größeren Rebellengruppen eine rivalisierende Allianz geschmiedet, die Nationale Befreiungsfront.

Im Rebellengebiet an der Grenze zur Türkei lebten ursprünglich etwa drei Millionen Menschen, von denen inzwischen nach UN-Angaben etwa die Hälfte auf der Flucht ist. In der Region halten sich auch mehr als eine halbe Million Menschen aus anderen Rebellenenklaven auf. Unter massivem militärischen Druck gingen sie auf Vereinbarungen mit der Regierung ein, nach denen sie mit Bussen nach Idlib gebracht wurden statt in Gebiete unter der Kontrolle der Regierung zurückzukehren.

Die Türkei, Russland und der Iran beschlossen vor einem Jahr, Idlib zu einer "Deeskalationszone" zu machen, um die Kämpfe zu reduzieren. Die Details der Vereinbarung wurden jedoch nie veröffentlicht, und die Rebellen fielen ohnehin nicht darunter.

2) VON DER TÜRKEI UNTERSTÜTZTE REBELLENGEBIETE

Die Türkei drang 2016 und 2018 auf syrisches Territorium vor, um Rebellengruppen dort zu unterstützen. Nach und nach wurde so ein Landstreifen entlang der Grenze geschaffen, der von Afrin im Westen bis zum Euphrat im Osten reicht. Die Türkei half den Aufständischen beim Aufbau von Kommunalverwaltungen und Polizei und richtete Schulen und Krankenhäuser ein. Außerdem weitete die Türkei ihr eigenes Postsystem und andere öffentliche Dienste dorthin aus.

Obwohl die Rebellengruppen in dem Gebiet Assad ablehnen, haben sie die Regierung seit Beginn des türkischen Einmarsches nicht mehr direkt bekämpft. Auch in dieser Region haben ebenso wie wie in Idlib Kämpfer und Zivilisten aus anderen Rebellenenklaven wie Ost-Ghouta Zuflucht gefunden, die sich der Regierung ergeben mussten.

Kurdische Gruppen beschuldigen die Türkei und die Rebellen, eine Umsiedelungspolitik zu betreiben. Menschen aus anderen Teilen Syriens würden in die Häuser von Kurden einziehen, die im Februar vor dem Einmarsch der Türken in Afrin geflogen seien. Die Türkei und die Rebellen bestreiten diesen Vorwurf.

3) REBELLEN UND US-TRUPPEN IN TANF

Das US-Militär richtete 2016 gemeinsam mit der Rebellengruppe Jaysh Maghawir al-Thawra (Revolutionäre Kommando-Armee) einen Stützpunkt in Tanf ein, tief in der Wüste nahe den Grenzen zu Jordanien und dem Irak. Die Basis liegt in der Nähe der Autobahn von Damaskus nach Bagdad. Die US-Truppen haben eine weite Pufferzone darum gezogen und greifen jeden Verband an, der die Straße benutzen will oder sich dem Camp nähert.

SYRISCHE DEMOKRATISCHE STREITKRÄFTE UND VERBÜNDETE

Die kurdische YPG-Miliz übernahm 2012, als die Regierungstruppen in den Kampf gegen die Rebellen im Westen zogen, die Kontrolle über weite Gebiete im Nordosten Syriens. 2014 stellte sich die YPG mit anderen Gruppen der Extremistenmiliz Islamischer Staat auf deren Vormarsch entgegen und erhielt dafür auch Unterstützung der USA. Daraus bildeten sich die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF), eine Allianz kurdischer und arabischer Milizen, die Hilfe von den USA und deren Verbündeten bekam.

Die SDF kontrollieren heute fast ein Viertel von Syrien östlich des Euphrats, darunter die frühere IS-Hauptstadt Raqqa und Teile der wichtigsten Ölfelder des Landes. Die Kämpfer nahmen 2016 auch die Gegend um Manbij ein, die westlich des Euphrats liegt. Dies ist ein großer Streitpunkt mit der Türkei, die die YPG und die SDF als Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet. Manbij selbst steht unter der Kontrolle eine örtlichen Miliz, die mit den SDF verbündet ist. Die USA und die Türkei verhandeln über die Zukunft der Stadt.

ISLAMISCHER STAAT

Die Extremistenmiliz IS kontrollierte zeitweise einen Großteil Ostsyriens, verlor durch Gegenoffensiven der Regierung und der SDF 2016 und 2017 aber fast ihr komplettes Territorium. Heute hält der IS noch einen schmalen Streifen Landes am Nordufer des Euphrats und einige Flecken in der Wüste in Zentralsyrien.





Schlagwörter

Syrien, Bürgerkrieg

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-06 09:10:43
Letzte Änderung am 2018-09-06 09:20:43




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