• vom 07.09.2018, 17:53 Uhr

Syrien - Ein zerstörtes Land

Update: 07.09.2018, 18:06 Uhr

Idlib

Putin fordert Kapitulation Idlibs




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Von Michael Schmölzer

  • Die Schlacht um die letzte Hochburg der syrischen Rebellen scheint unabwendbar.

Putin, Rouhani und Erdogan (v. l. n. r.) debattierten in Teheran über den Angriff auf Idlib.

Putin, Rouhani und Erdogan (v. l. n. r.) debattierten in Teheran über den Angriff auf Idlib.© afp/Bradley Putin, Rouhani und Erdogan (v. l. n. r.) debattierten in Teheran über den Angriff auf Idlib.© afp/Bradley

Teheran/Wien. Drei Männer haben in Teheran über das Schicksal von drei Millionen Menschen in der syrischen Rebellen-Enklave Idlib beraten: Russlands Präsident Wladimir Putin, sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan und Irans Hassan Rouhani debattierten am Freitag, wann und in welcher Form die Offensive der syrischen Armee über die Bühne gehen soll. Die Frage, ob der Angriff überhaupt stattfinden soll, wurde zwar von der Türkei ins Spiel gebracht. Nach den Gesprächen war aber klar: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schlacht abgewendet wird, ist gleich null.

Ankara versteht sich zwar als Schutzmacht eines Teils der eingekesselten Rebellen. Und Erdogan war in Teheran bemüht, die Offensive zu verhindern oder zumindest zu verzögern, indem er für ein Waffenstillstandsabkommen plädierte. Putin wies das umgehend zurück, auch der Iran erklärte, dass der Kampf fortgesetzt werde, bis alle Rebellen vernichtet wären.


Die Zeichen stehen auf Sturm. Das wurde schon dadurch klar, dass russische und syrische Kampfjets kurz vor Beginn der Gespräche Angriffe auf Idlib flogen. Bei den Rebellen handelt es sich in erster Linie um 10.000 Islamisten, die auch von den Vereinten Nationen als Terroristen eingestuft werden - es herrscht international Konsens, dass die bekämpft werden müssen.

Angriffe auf zivile Infrastruktur stehen bevor
Jasmin Rupp, Nahost-Expertin im österreichischen Verteidigungsministerium, geht davon aus, dass die Offensive in kleinen Schritten erfolgen wird. "Zunächst wird es darum gehen, an der Peripherie Idlibs strategische Straßen zu erobern und den Militärflughafen, den das Regime unbedingt zurückhaben möchte", so die Expertin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Dort befinden sich nur militante Gruppen, die naheliegenden Dörfer mit Zivilisten wurden bereits evakuiert."

Russland und dem Assad-Regime geht es in erster Linie darum, die Rebellen zur Kapitulation zu zwingen. Putin rief die Anti-Assad-Kämpfer am Freitag auf, die Waffen niederzulegen.

"Im Verlauf der Kämpfe werden zivile Infrastruktur und Städte in Idlib angegriffen werden, um den Menschen und Rebellen-Gruppen Angst und Schrecken einzujagen und eine raschere Kapitulation zu erzwingen", so Rupp. Damit sind die Leben der drei Millionen Zivilisten in Gefahr - und genau das befürchten die UNO und der Westen. Den Beteuerungen Russlands und des Iran, dass es kaum zivile Opfer geben werde, glaubt man hier nicht.

Die Rebellen sehen sich einer fatalen Lage gegenüber. Entweder, sie geben auf und fallen in die Hände Assads. Oder sie kämpfen bis zum bitteren Ende. Das heißt, bis zum Tod.

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Dokument erstellt am 2018-09-07 18:03:02
Letzte Änderung am 2018-09-07 18:06:22



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