Welche Rolle spielt dabei das Klimasystem der Erde?

"Zu den längerfristigen Einflüssen zählt die Energie der Sonne, also die Zukunft unseres Zentralsterns, dessen Energie wir noch nicht oder vielleicht nie kontrollieren können" (Mainzer). - © Foto: dpa/D. Reinhardt
"Zu den längerfristigen Einflüssen zählt die Energie der Sonne, also die Zukunft unseres Zentralsterns, dessen Energie wir noch nicht oder vielleicht nie kontrollieren können" (Mainzer). - © Foto: dpa/D. Reinhardt

Wir haben es mit einem nichtlinearen dynamischen System zu tun. Nichtlinearität bedeutet, dass sich kleine Ursachen häufig scheinbar nebensächlich zu großen Veränderungen des Gesamtsystems aufschaukeln und es destabilisieren. Das kennen wir nicht nur vom Klima, sondern auch von Wirtschaftssystemen.

Welche Faktoren wirken sich in diesem System kurzfristig aus, welche langfristig?

Zu den kurzperiodischen Klimafaktoren gehören die Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur, aber auch Vulkanausbrüche, deren Staub die Atmosphäre belastet. Zu den längerfristigen Einflüssen zählt vor allem die Energie der Sonne, also die Zukunft des Zentralsterns unseres Planetensystems, dessen Energie wir noch nicht oder vielleicht nie kontrollieren können. Was zu untersuchen ist: In welchem Ausmaß auch der von Menschen verursachte Treibhauseffekt den längerfristigen Klimawandel beeinflusst.

Wie wichtig sind sogenannte intelligente Techniken?

Wir sind auf intelligente Lösungen angewiesen. Setzen wir etwa auf Wind und Sonne, machen wir uns von den Schwankungen von Wind und Wetter abhängig. Um die Energieversorgung trotzdem zu sichern, muss Energie klug verteilt werden - durch Smart Grids, die Wetterschwankungen automatisch ausgleichen. Fährt etwa der Windpark zurück, steht das Blockheizkraftwerk bereit. Die Gesamtversorgung ist solcherart unabhängig von der Wetterlage - und Energiedinosaurier wie die Kohlekraftwerke müssen nicht mehr eingeschaltet werden.

Als Säule des Klimaschutzes wird die Energieeffizienz bezeichnet. Was fehlt der Wirtschaft in diesem Bereich noch?

Wir Menschen müssen zwar die ethischen und politischen Normen der Energieversorgung vorgeben. Aber realisieren lässt sich Energieeffizienz nur durch präzise Messtechnik und Mathematik. Es darf nicht sein, dass der Energieverbrauch von Industriemaschinen unbekannt ist. Tatsächlich benötigen wir sogar die Messwerte der einzelnen Anlagekomponenten, um ein effizientes Energiemanagement hinzubekommen.

Wie sieht die Energiewende im Heizungskeller aus? Stehen dort künftig Brennstoffzellen?

Überall, wo es Gasanschluss gibt, könnten sie zum Einsatz kommen. Technisch ist die Kraft-Wärme-Kopplung ja eine geniale Idee. Wasserstoff und Sauerstoff werden chemisch miteinander verbunden, um Wasser, Wärme und Strom entstehen zu lassen. Damit lässt sich ein Haus sowohl heizen als auch mit Elektrizität versorgen. Jeder könnte sein kleines Kraftwerk im Keller haben: umweltfreundlich, sicher, effizient und unabhängig von Stromtrassen.