25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leben nach Angaben der russischen Regierung mehr als 1,5 Millionen Menschen in damals verstrahlten Gebieten. Diese Menschen verteilten sich auf rund 4.000 Orte, heißt es in einem Ende Jänner in Moskau veröffentlichen Bericht des Katastrophenschutzministeriums. Ursprünglich hatten den Angaben zufolge mehr als 2,6 Millionen Menschen in 7.500 Orten gelebt, die infolge der Katastrophe vom April 1986 verstrahlt worden waren.

Staatliche Maßnahmen hätten geholfen, die Situation in vielen Gegenden zu normalisieren, versicherten die Autoren des Berichts. So könnten durch Reinigungsmaßnahmen mehr als 84.000 Hektar ehemals verstrahlter Erde inzwischen wieder bewirtschaftet werden. Nach offiziellen Schätzungen starben an den Folgen der Reinigung der Atomanlage und der Konstruktion des Schutzmantels für den zerstörten Reaktor mehr als 25.000 "Liquidatoren", die meisten davon Russen, Ukrainer und Weisrussen.

Die Katastrophe am 26. April 1986 gilt bis heute als der schwerste Atomunfall weltweit. Im Reaktorblock 4 des in der Ukraine gelegenen Atomkraftwerks war es damals zu einer Kernschmelze und einer Explosion gekommen. Zwar wurde das Kernkraftwerk im Dezember 2000 stillgelegt, mit seinem brüchigen Schutzmantel stelle es jedoch immer noch eine "Gefahr für die Ukraine, Russland und Europa dar", sagte der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch im vergangenen Sommer. Ein französisches Konsortium arbeitet derzeit an einem neuen Schutzmantel für den Reaktor, um die Gefahr der radioaktiven Strahlung zu verringern. (APA/AFP)