Mehr Mainstream für Barroso, hier vor dem Hotel Carlton, Cannes, 2008: US-Großproduktionen gehören dort zum Geschäft. - © epa
Mehr Mainstream für Barroso, hier vor dem Hotel Carlton, Cannes, 2008: US-Großproduktionen gehören dort zum Geschäft. - © epa

"Unsere europäischen Filme haben alle einen Nährboden, regionalen oder nationalen, und das macht auch das europäische Kino aus, dass wir wo hingehören und wissen, wovon wir erzählen." Der deutsche Regisseur Wim Wenders, hier zitiert aus einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, ist in seiner Funktion als Präsident der Europäischen Filmakademie so etwas wie ein Schirmherr, wenn es um die Verteidigung von spezifischen Kulturwerten geht. Europas Kino ist eines, "das eine Handschrift hat", sagt Wenders.

Diese Handschrift ist in Gefahr, meinen ihre Beschützer. Doch zunächst einmal klang das alles sehr vielversprechend: Wenn die EU und die USA ein Freihandelsabkommen unterzeichneten, ergäben sich daraus zahllose Vorteile für die Bürger: Denn insgesamt würde durch den Wegfall von Zöllen und diversen anderen Handelshindernissen 120 Milliarden Euro mehr Handelsvolumen und 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Rechnet die EU vor.

EU-Kommissionspräsident Barroso und US-Präsident Obama frohlocken angesichts der bevorstehenden größten Freihandelszone der Welt (die aber erst verhandelt werden muss) mit ihren mehr als 800 Millionen Einwohnern. "Wir müssen neue Aufstiegsmöglichkeiten schaffen in unseren eigenen Gesellschaftssystemen - auch wenn wir ein neues Freihandelsabkommen verfolgen, dass das Wachstum im transatlantischen Verhältnis verstärkt", sagte Obama am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor.

Ganz so leicht wird diese Abkommen aber nicht umzusetzen sein: Vor allem in Frankreich regt sich Widerstand. Die Franzosen haben durchgesetzt, dass die Bereiche Film, Musik und Medien vorerst nicht Teil der Verhandlungen sein werden. Der Hintergrund: In Frankreich gilt die so genannte "exception culturelle française", die man 1993 in die GATS-Verhandlungen hineinreklamierte. Damit werden Quotenregelungen für nationale Kunst- und Kulturgüter möglich, die sich auf diese Weise nicht einem Wettbewerb stellen müssen. Subventionen für audiovisuelle Medien sind die Eckpfeiler dieses Schutzmechanismus. Das französische Chanson konnte so auch neben dem US-Pop überleben, das französische Kino ist deshalb mit einem Marktanteil von über 40 Prozent im eigenen Land der Platzhirsch in Europas Kulturkampf gegen böse US-Blockbuster. Zum Vergleich: In Österreich pendelt der Marktanteil heimischer Filme bei zwei bis sechs Prozent. Das hat auch mit der Menge an Filmen zu tun: Die Franzosen produzieren zwischen 150 und 250 Kinofilme pro Jahr, die Österreicher nur ein Zehntel davon.