Budapest. Nur 15 Minuten dauert die Fahrt von Endstation zu Endstation auf Budapests neuer M4. Nach langer Planungszeit, vielen politischen Querelen und finanziellen Schwierigkeiten wurde die nur 7,34 Kilometer lange Strecke nach zehn Jahren Planung übergeben.

"Es ist ein U-Bahn-Projekt, das auf grundlegende Fragen der Architektur antworten musste", erzählt  der leitende Architekt des U-Bahn-Projekts, Zoltán Erõ vom Architekturbüro Palatium Stúdió. "Ausgehend vom Material, von der Struktur, der Technologie und der Funktion mussten die Architekten Räume entwerfen und in diesen Räumen Platz schaffen für Bewegung, für Menschen".

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Fünf Architekturbüros arbeiteten an den zehn unterirdischen Stationen der neuen Metro. Dabei sollte die gesamte Linie eine einheitliche Architektur-Sprache bekommen und zugleich genügend Spielraum für die Kreativität der Planer bieten.

Eines der erklärten Ziele war es, den öffentlichen Verkehr attraktiv zu machen. Das ist den Machern offensichtlich gelungen. Als am 28. März 2014 die neue U-Bahn-Linie eröffnet wurde, waren die Budapester staunend, neugierig und mit einem Lächeln auf der M4 unterwegs, fast wie Touristen in der eigenen Stadt. Zu sehen gab es jedenfalls genug, denn keine der Stationen gleicht einer anderen.

Der Bau von Budapests vierter U-Bahn-Linie war die größte Investition der Hauptstadt der letzten Jahrzehnte. "Und wenn man schon so viel Geld in ein Projekt investiert, dann sollte man auch etwas niveauvolles daraus machen", sagt Erõ.

Die Schwierigkeiten bestanden unter anderem darin, die Arbeit von fünf Architekturbüros zu koordinieren. Die Technik des Tiefbaus wiederum ließ viel Spielraum. Bei der Planung wurden zunächst die grundlegenden Notwendigkeiten für eine U-Bahn-Station berücksichtigt. Danach wurden die wichtigsten Kriterien für den gesamten Bau und der rote Faden festgelegt: Der  extensive Einsatz von Sichtbeton, Stahl und Glas prägt die unterirdischen Bauwerke.

"Alle Haltestellen sollten die Baukonstruktion offen zeigen und aus diesen heraus möglichst große Räume mit möglichst viel natürlichem Licht von oben erschaffen", erzählt Erõ. Die konkrete Ausformung der einzelnen Räume, die Auswahl der Materialien und die spezifische Stationsbeleuchtung blieb der Fantasie der einzelnen Architektengruppen überlassen.