Wien. Rund 30 Meter unter der Oberfläche: Die künftige U1-Station Altes Landgut in Favoriten wird ab 2017 die tiefstgelegene Station im Wiener U-Bahn-Netz sein. "Das werden Sie aber kaum bemerken", verspricht Markus Ossberger, der als Bereichsleiter für die strategische Infrastrukturplanung der Wiener Linien zuständig ist.

Denn dank Expressliften soll die Fahrt vom Verteilerkreis hinunter zum Bahnsteig nicht länger dauern als eine Fahrt in den 5. Stock im Kaufhaus Steffl. Die Treppen hingegen werden die U1-Fahrgäste wohl eher nur bei Evakuierungen – "die hoffentlich nie passieren werden" – benutzen.

Unter dem Asphalt durchtauchen
Auch wenn die Station im internationalen Vergleich gar nicht so tief liegt (in Moskau, Bukarest oder auch in einigen deutschen Städten geht es noch weiter hinunter), stellt dieser Teil der U1-Verlängerung nach Süden die Tunnelbauingenieure der Wiener Linien vor einige Herausforderungen. "Die Schwierigkeit besteht darin, am Alten Landgut unter der Tangente durchzutauchen, um dann bei der Hansson-Siedlung wieder an die Oberfläche zu kommen", erläutert Ossberger. Damit der U-Bahn-Tunnel die Autobahn trägt, muss er möglichst tief liegen. Entsprechend längere Zuleitungen und Lüftungsschächte et cetera machen das Ganze dann auch um einiges teurer.

Generell gilt als Faustregel, dass ein Kilometer U-Bahn in Wien zwischen 150 und 250 Millionen Euro kostet, je nach den Gegebenheiten. Eine Hochbaustrecke in dünn besiedeltem Gebiet – wie etwa das letzte Stück U2 zur Seestadt Aspern – ist natürlich viel billiger als ein Tunnel in dicht bebautem Gebiet, wie er ab 2018 für die künftige U5 gegraben werden muss. Am teuersten dürfte der U-Bahn-Bau im historischen Stadtgebiet von New York sein, der mit gut drei Milliarden Dollar pro Kilometer zu Buche schlägt.

Im Grundwasser unter dem Donaukanal durch
Auch die im Oktober 2013 eröffnete U2-Verlängerung nach Aspern hatte ihre Tücken. "Wir mussten beim Schottenring nicht nur unter der U5 durch, sondern auch unter dem Donaukanal, und zwar im Grundwasserbereich", berichtet der Planungschef. Dabei wurde mit Vereisungen und Bodenverdichtungen gearbeitet, da war das österreichische Know-how im Tunnelbau besonders gefragt. Eine weitere Herausforderung war die bereits angesprochene dichte Bebauung im 2. Bezirk. "Wenn man unter bestehenden Kellern gräbt, besteht immer die Gefahr von Schallbrücken, durch die die Bewohner oberhalb die U-Bahn dann hören und spüren würden", sagt Ossberger.