Noch schlimmer wird es bei der U5: "Es ist ein Gebiet mit sehr unterschiedlichen Böden, die nach dem Krieg einfach zugeschüttet wurden und deshalb sehr locker sind. Dazwischen gibt es aber auch Steine, auf die draufgebaut wurde." Und das Ganze in dicht verbautem Gebiet mit vielen tiefen Kellern. "Da muss man bei jedem Lüftungsschacht vorher genau prüfen, ob man da überhaupt durch kann", so Ossberger. Hier wird auch vermehrt Bodenradar zum Einsatz kommen. Außerdem müssen entsprechend viele Eigner laut Grundbuch rechtlich bedient werden. Dazu müssen im Zuge des U5-Neubaus und der damit zusammenhängenden U2-Verlängerung nach Süden mehrere U-Bahnen und der unterirdische Straßenbahnknoten am Matzleinsdorfer Platz gequert werden.

Eine wichtige Frage dabei ist aber nicht nur die Trassenführung, sondern auch der Ablauf der Tunnelbauarbeiten. "Den muss man sehr genau planen und wirtschaftlich bewerten", sagt Ossberger. Er nennt zum Vergleich ein Londoner U-Bahn-Projekt, bei dem mit sieben Tunnelbaumaschinen gleichzeitig gearbeitet wird. "Das wäre für uns aber finanziell kaum zu stemmen. Die Londoner haben ein Budget von 30 Milliarden Euro, das sind völlig andere Dimensionen, da liegen wir bei einem Bruchteil."

Pläne für U7 und U8 wurden wieder verworfen
Immerhin aber wurden schon vor einem halben Jahrhundert planerische Vorarbeiten dazu geleistet. Denn sowohl die U5 als auch die U7 und die U8 – zwei U-Bahn-Linien, die einst jenseits der Donau angedacht waren, aber als unwirtschaftlich verworfen wurden – fanden sich bereits in den integrativen Netzvarianten, die in den 1960ern erstellt wurden. Während U7 und U8 laut Ossberger "für die nächsten 20 bis 30 Jahre nicht spruchreif sind", war die U5 immer im Masterplan-Zielnetz enthalten, als Extremvariante bis Dornbach.

Ob sie tatsächlich so weit geführt werden soll, ist ebenso Gegenstand von Diskussionen wie eine mögliche Verlängerung der U6 nach Norden bis zum Rendezvousberg. Manche würden sich auch eine Weiterführung der U4 bis Auhof auf der einen Seite und sogar bis Klosterneuburg auf der anderen Seite wünschen. Andere hätten gerne die U6 bis zur SCS geführt. Und die U1 könnte nicht nur nach Oberlaa, sondern auch nach Rothneusiedl geführt werden.

Unklar ist derzeit auch noch, wo die U2 und die U5 im Süden letztlich enden werden. All dies liegt aber nicht in den Händen der Politik, wie Ossberger klarstellt. "Die Experten der zuständigen MA18 legen den Plan in Absprache mit den Wiener Linien fest. Da gibt es keine politischen Wünsche, das macht eine Fachdienststelle."

"Verlängerungen sind nicht wirklich notwendig"
Geht es nach dem Verkehrswissenschafter Harald Frey von der Technischen Universität Wien, braucht die Hauptstadt eigentlich keine weiteren U-Bahn-Verlängerungen. "Die diversen Ausbauvarianten in Zusammenhang mit Stadterweiterungsgebieten sind aus meiner Sicht Netzergänzungen, die aber nicht wirklich notwendig sind", stellt Frey fest, auch wenn er als Verfechter von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und öffentlichem Verkehr gilt.