Ein etwaiger Ausbau der U4 nach Auhof wäre aber aus seiner Sicht nicht der richtige Ansatz. "Die U4 ist jetzt schon sehr lang. Und man darf nicht vergessen: U-Bahn bedeutet Leistungsfähigkeit von bis zu 20.000 Personen pro Stunde, da müssen auch die entsprechenden Potenziale rund um die Stationen geschaffen werden.

Wenn bei einer U4-Endstation Auhof in einer Parkgarage 1000 oder 2000 Pendlerautos stünden, dann wäre das nur ein Zehntel der Kapazität einer U-Bahn in einer Stunde. Das heißt, Sie kriegen so eine Pendlergarage mit einem oder zwei U-Bahn-Zügen leer." Er fände auch U-Bahn-Verlängerungen in Richtung SCS oder Klosterneuburg nicht sinnvoll. "Dort fehlt die entsprechende Dichte dafür. Das entspricht eher dem System einer Regiotram wie der Badner Bahn."

Die sinnvollste Lösung der Pendlerproblematik liegt aus seiner Sicht in einer Verstärkung der Schnellbahn. "Das wurde in der Vergangenheit zu wenig aufgegriffen. Es wurden zwar Park&Ride-Anlagen errichtet, aber auf Wiener Grund. Dabei sollten die Pendler so früh wie möglich aufs Öffi-Netz geholt werden, und zwar eben schon entlang der Schnellbahn in Niederösterreich." Auch dort sollten die Intervalle verdichtet werden. Zusätzlich fände Frey noch weitere Regiotrams in den Norden und Nordosten wichtig, als Ergänzung zur Schnellbahn. "Das Park&Ride samt Umsteigepunkt sollte jedenfalls im Stadtumland liegen, sodass die Autos gar nicht erst ins Stadtgebiet einfahren."

Stationen lang unter ihrem Potenzial geführt
Das Thema Bebauungsdichte findet sich auch in seiner Analyse der U2/U5-Ausbaupläne wieder. "Das Linienkreuz U5 wird wohl sinnvollerweise beim Elterleinplatz enden, weil es primär um die Verbindung von U6 und U1 geht. Ab der Hernalser Hauptstraße fehlen dann auch die notwendigen Dichten, um eine U-Bahn begründen zu können." Und im Süden hält er zwar eine Anbindung an die Schnellbahn am Matzleinsdorfer Platz für sinnvoll, viel weiter Richtung Süden brauche die U-Bahn aber aus heutiger Sicht nicht geführt zu werden. Auch die U1-Verlängerung nach Rothneusiedl hält er derzeit  für keine sinnvolle Option. "Vielleicht später einmal, wenn sich die Stadt im Süden anders entwickelt."

Er führt als Beispiel die U1-Verlängerung nach Leopoldau an. Bei der Station Aderklaaer Straße zum Beispiel kommen erst jetzt, achteinhalb Jahre nach der Eröffnung, große Wohnbauten und ein neues Einkaufszentrum dazu, nachdem das
Areal rundherum lange Zeit mehr oder weniger Brachland war.
Gleiches gilt für die jüngere U2-Verlängerung: "Auch die Seestadt Aspern ist ein Beispiel für eine U-Bahn-Station, die lange unter ihrem Potenzial geführt wird", meint der Verkehrsexperte.