Unter dem Titel "Trains of Thoughts" hat der österreichische Filmemacher Timo Novotny 2012 einen  berührenden filmischen Essay über U-Bahnen gemacht. Spielerisch, humorvoll und mit viel Feingefühl zeigt er "Gedankengänge" von Menschen in verschiedenen Metropolen und die vielen kulturellen Unterschiede auf.

Wiener Journal: Fahren Sie gerne U-Bahn?


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Timo Novotny:  Eigentlich schon. Obwohl, die Gewohnheit macht es fad. In den dunklen Röhren sind wir sehr mit uns beschäftigt. Wir verlieren den Blick für die Schönheit unseres Arbeitsweges. In Wien fahre ich eher selten, aber in anderen Ländern ist U-Bahn-Fahren das Spannendste überhaupt.

Sie haben einen Film über U-Bahnen gemacht, "Trains of Thoughts". Wie kam es dazu?

Vor sieben oder acht Jahren war ich vier Tage lang in Prag und kam mit tausend Bildern von der U-Bahn und zwei Bildern von der Altstadt zurück. Da wusste ich, ich muss dem nachgehen. Ich wollte wissen, was mich so fasziniert.

Und das war?

Die Faszination kommt eindeutig von der Architektur. Von dem cyberspace-artigen Erschaffen von Räumen ohne Fenster. Es ist auch faszinierend, wie versucht wird, Menschenmassen herumzuschieben. Danach habe ich drei Monate rund um die Welt in U-Bahnen verbracht.

Gab es dabei Lieblinge?

Ja. New York, Tokio und Moskau. Aber in diese drei verliebt sich jeder. Tokio zum Beispiel repräsentiert für mich die Zukunft. Die Züge sind leise. Es wird nicht mehr telefoniert in der U-Bahn. Aus Höflichkeit und Respekt. Moskau erinnert an die Vergangenheit. Die Metro ist richtig alt und kommunistisch. Das Netz ist riesig. Es sind unglaubliche Distanzen, die man unterirdisch überwindet. Ich bin einmal eine Station zu früh ausgestiegen und dachte, man kann zur nächsten einfach gehen, aber es dauerte eineinhalb Stunden. In Tokio würde das wahrscheinlich auch passieren, weil man sich aufgrund der vielen Verwinkelungen verirrt. In New York kann man sich am schnellsten integrieren. Alle sprechen ein gebrochenes Englisch, alle haben einen Akzent. Man ist nah dran an der Kultur und schnell einer von ihnen. New York ist für mich die Gegenwart. Die Subway ist die einzige U-Bahn, die immer fährt. Man kann auch nachts ohne viel Geld öffentlich unterwegs sein. Es ist der amerikanische Traum eines jeden Europäers.