Was wäre notwendig, damit Gesetze in der Gesellschaft ankommen?

Wir brauchen mehr Bewusstsein für Gleichberechtigung. Derzeit gibt es etwa Kampagnen, um unbezahlte Hausarbeit anzuerkennen. Auch Männer sind aufgefordert, da mitzumachen. In Uganda hören wir immer, dass Männer und Frauen in Europa gleichberechtigter leben, aber auf den Straßen Wiens fällt mir auf, dass man meistens Frauen mit Kinderwägen sieht. Das bedeutet, dass die Last der Kindererziehung weiterhin auf den Frauen liegt, auch wenn diese im Arbeitsmarkt integriert sind. Interessant ist ja: Obwohl allseits bekannt ist, dass Frauen mehr leisten als Männer, wird dies gesellschaftlich nicht verurteilt. Wir brauchen männliche Vorbilder und müssen Männer stärker in die feministische Arbeit miteinbeziehen.

Was sind die größten Probleme im Alltag von Frauen in Uganda?

Häusliche Gewalt. Eine von drei Frauen in Uganda macht Gewalterfahrungen. Zudem sind wir eines jener afrikanischen Länder mit der höchsten Anzahl verheirateter Minderjähriger. Es ist nicht unüblich, dass 14- oder 15-Jährige verheiratet werden. Armut ist ein Grund, aber Hauptschuld trägt das Patriarchat an dieser verbreiteten Praxis. Ein weiteres Problem sind Teenager-Schwangerschaften: Ein Viertel der Mädchen in Uganda wird vor dem 18. Geburtstag schwanger. Nur eine von fünf Frauen hat Zugang zu Verhütungsmitteln. Und die Müttersterblichkeitsrate ist nach wie vor hoch.

Ihre NGO Akina Mama wa Afrika setzt einen Fokus auf Empowerment von Frauen. Was sind die Herausforderungen in Uganda?

Es ist uns wichtig, die ökonomische Handlungsfähigkeit von Frauen zu stärken. Dazu ist Landbesitz essenziell. Es gibt inzwischen mehr Frauen, die Land besitzen, aber ihr Anteil ist mit 15 Prozent weiterhin minimal. Wir haben einige gute Wirtschaftsprojekte, doch oft haben diese Programme wenig Zugkraft. Der Großteil der Frauen arbeitet ohne Dienstvertrag im informellen Sektor, weshalb ihnen rechtliche Ansprüche wie Mutterschaftsurlaub nicht zugutekommen. Mit unserem Führungskräfte-Programm wollen wir etwas entgegenhalten; dieses haben bereits 5000 Frauen absolviert. Etliche Frauen, die daran teilgenommen haben, haben heute politische Ämter inne.