"Können wir bitte das Thema wechseln?" Egal ob männlich oder weiblich: Kommt man auf Menstruation zu sprechen, reagiert der Gesprächspartner meist irritiert bis angeekelt. Das, was die knappe Hälfte der Weltbevölkerung monatlich erlebt, ist also ein Tabuthema, über das man besser nicht spricht. Wenn Frauen Monat für Monat bluten, halten sie das geheim und stecken einander Tampons zu, als würden sie Drogen dealen. Ist das schlimm? Muss ja nicht jeder wissen, oder?

Menstruierende Frauen müssen im Kuhstall schlafen

Doch. Wenn man nicht darüber spricht, schreibt oder berichtet, wird sich an den mit Menstruation verbundenen Problemen wenig ändern. Und davon gibt es, vor allem in Entwicklungsändern, zu Hauf: Im Westen Nepals dürfen Mädchen und Frauen während ihrer Monatsblutung das Haus nicht betreten und müssen im Kuhstall oder einer Hütte schlafen. Zudecken dürfen sie sich dort nicht mit einer warmen Decke, sondern nur mit einem Jutefetzen. Die Hütten sind meist sehr simpel und haben keine Türen. Die Frauen sind daher Eindringlingen aller Art ausgesetzt: giftigen Insekten, Schlangen, Tigern – und Männern. Denn während der Monatsblutung werden ihnen keinerlei Rechte zugestanden, und Vergewaltigungen sind keine Seltenheit.

Eine Frau beim WoMena-Menstruationstassen-Programm in Uganda. - © Tom Saater / WoMena
Eine Frau beim WoMena-Menstruationstassen-Programm in Uganda. - © Tom Saater / WoMena

Nachdem Ende 2016 eine 26-jährige Frau in einer solchen Hütte auf ungeklärte Weise gestorben ist – bei Weitem kein Einzelfall –, hat sich die nepalesische Regierung im Februar 2017 auf eine Gesetzesänderung geeinigt: Stirbt eine Frau bei der hinduistischen Tradition namens "Chhaupadi", können nun Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren verhängt werden. "Chhaupadi" basiert auf dem Aberglauben, menstruierende Frauen wären "unrein", und würden die indischen Götter verärgern, wenn sie das Haus betreten. Aus diesem Grund dürfen sie während der Regelblutung allerhand nicht tun: Sie dürften Männer und ältere Verwandte nicht berühren, und auch ihre Ernährung wird stark eingeschränkt: Sie dürfen kein Fleisch, keine Milchprodukte oder grünes Gemüse essen. Da sie während dieser Zeit nur Trockenfrüchte, Reis und Salz zu sich nehmen, kommt es oft zu Mangelernährung.

- © Illustration: Irma Tulek
© Illustration: Irma Tulek

Bekommt ein Mädchen zum ersten Mal ihre Regel, muss sie zwei Wochen lang in der Hütte bleiben. Dasselbe gilt auch für Frauen, die ein Kind zur Welt bringen. "Auf lokalpolitischer Ebene gibt es wenig Bereitschaft, sich dem Thema anzunehmen", schreiben die Vereinten Nationen in einem Bericht. Aus diesem Grund unterstützt der "UN Trust Fund to End Violence Against Women" ein Projekt gestartet, das noch bis Ende des Jahres laufen wird und vor allem auf Aufklärung in der Bevölkerung setzt.