Kampala. In aller Welt wird Uganda gelobt: Das ostafrikanische Land habe eine außergewöhnlich liberale Flüchtlingspolitik - und das mit 1,3 Millionen Geflüchteten im Land. Doch viele Flüchtlinge haben es trotzdem schwer. Und die Belastung für die Ugander steigt.

Das weltgrößte Flüchtlingslager sieht gar nicht danach aus. Grüne Hügel erstrecken sich, soweit das Auge reicht. Wild wuchernde Büsche und Bäume und kleine Maisfelder bedecken die Landschaft.

Dazwischen schauen Lehmhütten mit Strohdächern hervor. Man könnte meinen, hier lebten nur ugandische Kleinbauern - nicht rund 272.000 südsudanesische Geflüchtete. Der Clou: Bidi Bidi ist offiziell kein Flüchtlingslager, sondern eine Flüchtlingssiedlung. Sie ist nicht umzäunt. Die Geflüchteten leben inmitten der Einheimischen. Denn Uganda, das inzwischen eine Million Südsudanesen aufgenommen hat, hat eine besondere Flüchtlingspolitik: Geflüchtete können sich frei bewegen, arbeiten - und bekommen Land.

Langfristige Planung notwendig

Der Ansatz wird weltweit gelobt. Doch ganz so einfach ist es für die Menschen trotzdem nicht. "Wir sehen die Flüchtlinge als Chance", sagt der Leiter von Bidi Bidi, Robert Baryamwesiga, der der Regierung untersteht. Das ostafrikanische Land kennt sich mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus. Somalier, Burundier und Kongolesen haben dort in der Vergangenheit Zuflucht gefunden. Viele sind jahrzehntelang geblieben. Uganda weiß, dass es nun auch bei Südsudanesen langfristig denken muss. Denn ein Ende des Bürgerkriegs mit Zehntausenden Toten in ihrem Heimatland ist nicht in Sicht.

Wie hilft man Flüchtlingen, auf eigenen Beinen zu stehen? Zunächst mit Land. In Bidi Bidi im Nordwesten Ugandas wurden jeder Familie Baryamwesiga zufolge 50 mal 50 Meter zur Bewirtschaftung und 30 mal 30 Meter für Wohnraum zugewiesen, in der neueren Imvepi-Siedlung nebenan sind es insgesamt 50 mal 50 Meter. Viele nutzen die Fläche, um etwa Mais oder Sorghumhirsen anzubauen. Was sie nicht selber essen, können sie in der Siedlung verkaufen. "270.000 Menschen sind ein großer Markt", sagt Baryamwesiga. Hinzu kommen ugandische Kunden.

Ugander profitieren von den vielen Kleinfarmen

Von den vielen Kleinfarmen profitieren auch die Ugander. "Die meisten wirtschaftlichen Vorteile, die Flüchtlinge schaffen, gehen an die Haushalte des Gastlandes", ergab eine Studie der Universität von Kalifornien, Davis, und des UNO-Welternährungsprogramms (WFP). Demnach stellen Flüchtlinge auf dem Feld lokale Arbeitskräfte ein, kaufen landwirtschaftliche Güter, verkaufen ihre überschüssige Ernte und haben so Geld, um Dienstleistungen der Ugander in Anspruch zu nehmen.