Nach ihrer Ankunft bekommen die Flüchtlinge ein Stück Land zur Verfügung gestellt, auf dem sie ein Haus bauen und einen kleinen Garten anlegen können. Auch das ist Teil der Willkommenspolitik. In Imvepi haben 123.000 Menschen Zuflucht gefunden. Abseits des Eingangs gleicht das Lager einer grünen Siedlung: Bäume und Sträucher soweit das Auge reicht. Aus Ästen, Steinen und Plastikplanen haben die Flüchtlinge in der üppigen Vegetation kleine Hütten gebaut. Viele ziehen in einem Beet Süßkartoffeln oder Maniok.

Der ugandische Ansatz ist nicht ganz uneigennützig: "Indem die Flüchtlinge eine kleine Landwirtschaft betreiben und einen Teil der Ernte verkaufen, sollen sie finanziell unabhängig werden und zugleich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitragen", erklärt Flüchtlingskommissar Kazungu.

Aber vor allem die ersten Monate sind für Ankömmlinge schwierig. "Bis sie ihr Haus gebaut, ihren Garten angelegt haben und zum ersten Mal ernten können, vergehen fünf bis sechs Monate", sagt Moses Mukitale von der Organisation World Vision.

"Meine Pflanzen tragen noch keine Früchte", seufzt Paul Buge. Der 34-jährige Südsudanese ist im Juni aus der Stadt Morobo nach Uganda gekommen. In seiner Heimat arbeitete Buge im Verkauf. Seit er in Imvepi ist, hilft er zweimal pro Woche beim Aufbauen der NGO-Zelte. "Leben kann ich davon aber nicht", sagt er. Er ist von den Nahrungslieferungen der NGOs abhängig. So wie Buge geht es laut einer Studie von World Vision der Mehrheit der Geflüchteten.

Abgesehen vom landwirtschaftlichen Anbau gibt es für sie wenig Arbeit. Die Hilfsorganisationen stellen zwar ein paar Flüchtlinge als Übersetzer oder Fahrer an, doch die Posten sind begrenzt. Oft erfordern sie auch eine höhere Schulbildung. Diese fehlt laut World Vision vielen Südsudanesen. "Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder", erklärt Mukitale. Die wenigsten unter ihnen hätten eine Berufsausbildung.

Entscheidende Schulbildung

"Die Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, verstärken die psychischen Probleme, mit denen viele Flüchtlinge bereits zu kämpfen haben", sagt der Psychiater Nixon Jurua, der für Ärzte ohne Grenzen in den Lagern tätig ist. Ihm zufolge sind mehr als 60 Prozent der Ankömmlinge schwer traumatisiert. "Das Vorgehen im Südsudan ist selbst für Kriegszustände besonders grausam", fährt Jurua fort. Amnesty International veröffentlichte im Juli einen Bericht über die "Brutalität und das schockierende Ausmaß sexueller Gewalt", der tausende Südsudanesen zum Opfer fallen.

Besonders bei Kindern sieht Jurua die Gefahr, dass sie später in den Südsudan zurückkehren und dort in den Konflikt verwickelt werden, wenn ihnen in Uganda eine ausreichende Betreuung fehlt. Dabei spiele die Schulbildung eine entscheidende Rolle.

In Imvepi gibt es sieben Grundschulen. Aber die Einrichtungen sind überfüllt. "Auf eine Klasse kommen mehr als hundert Schüler", seufzt Schuldirektor Gale Ephraim Yemba. Flüchtlingskommissar Kazungu will neue Strukturen bauen und die Kinder künftig verstärkt in die Schulen der umliegenden Gemeinden integrieren. "Natürlich geht das nicht von heute auf morgen und erfordert finanzielle Mittel", sagt er.

Aber die Erfahrung hat Uganda gezeigt, dass es bei der Aufnahme von Geflüchteten langfristig denken muss. "Von den Ruandern, Burundiern und Kongolosen, die in den 1960er Jahren nach Uganda kamen, sind einige bis heute geblieben", erklärt Kazungu. Und auch in den Südsudan dürften die Flüchtlinge wohl nicht so schnell zurückkehren. Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Bis Juli kamen täglich 1800 Menschen über die Grenze.