Niedrige Transportkosten, billige Arbeitskräfte

"Cotton made in Africa" steht auf dem weinroten T-Shirt, das Joseph Wafula hochhält. Der Ugander steht in einer großen Fabrikshalle, in der Stoffbahnen zurechtgeschnitten werden. "Die Rundungen des Kragens, die Ärmel: Das muss alles auf den Millimeter genau passen, damit wir so wenig wie möglich Ausschuss erzeugen", erläutert Qualitätsprüfer Wafula und gibt seinen Arbeitern Anweisungen. Auf dem Prüftisch türmen sich knallgelbe, grüne, blaue und rote T-Shirts. Aus der Halle nebenan hört man das Klackern der Spinnerei-Maschinen, die meisten von deutschen Herstellern.

Die Fabrik "Finespinners" wurde Ende 2014 von Präsident Museveni höchstpersönlich in einer alten Kaffeerösterei in Kampalas Industrieviertel Bugalobi eingeweiht. Sie ist die modernste Produktionsstätte im Land. Mittlerweile sind darin über 1000 Ugander beschäftigt, die meisten Frauen. "In Uganda zu produzieren, war eine strategische Entscheidung", erklärt Jasvinder Bedi, Direktor von Finespinners. "Wir haben die Produktion in Kenia dicht gemacht und sind nach Uganda gezogen, weil wir näher an den Baumwollfeldern sein wollten, um die Transportkosten zu senken". Der Kenianer mit indischen Wurzeln wuchs in einer Unternehmerfamilie auf, die seit der Kolonialzeit in Ostafrika Textilien fertigt. "Seitdem indische und asiatische Textilmanufakturen mehr für ihren eigenen Markt produzieren, suchen europäische und US-amerikanische Kleiderketten wieder Hersteller anderswo auf der Welt", erklärt er - zum Beispiel in Uganda.

"Wer trägt schon gern
getragene Unterhosen?"

Nach der Qualitätskontrolle landen die zurechtgeschnittenen T-Shirts in großen Stapeln in einer weiteren Halle: der Druckerei. Es riecht beißend nach Farbe. Drucker Henry Katongole rührt aus einem dunklen Blau und dunklem Rot ein Lila zusammen und kippt den Eimer in die Presse. Daneben hängen die Schablonen der Aufdrucke, die die Auftraggeber per Email geschickt haben. Der deutsche Hersteller S.Oliver aus Unterfranken lässt hier seit 2016 einen Teil seiner Ware produzieren. Auch die Otto-Gruppe bezieht einen Teil ihrer T-Shirts aus Uganda, bestätigt die Presseabteilung. "Der Kontinent Afrika spiele für die Otto Group eine besondere Rolle aufgrund der Initiative "Cotton made in Africa". Sie wurde 2005 unter der von Firmengründer Michael Otto ins Leben gerufenen Stiftung Aid for Trade mit Sitz in Hamburg gestartet.

Nach dem Zusammensturz der Fabrikhalle Rana Plaza in Bangladesch 2013, bei dem über 1000 Menschen umkamen, wurden in den europäischen Medien die grausamen Arbeitsbedingungen sowie die weit verbreitete Kinderarbeit den asiatischen Spinnereien publik. Hersteller wie Otto Group mit ihren Textilmarken Otto und Bonprix zogen deswegen weiter: nach Ostafrika, nach Äthiopien und Uganda. Hier sind Arbeitskräfte sogar noch billiger als in Bangladesch. Zudem lassen sich die Lieferketten vom Baumwollfeld bis zum fertigen T-Shirt besser überwachen: Vom Baumwollfeld in Kasese in Westuganda bis zur Fabrik sind es rund 600 Kilometer. Am Eingangstor von Finespinners hängt ein großes Schild: "Keine Kinderarbeit". Die Cotton-made-in-Africa-Initiative garantiert den Kunden Transparenz, schwärmt Otto: "Mit Blick in die Zukunft muss es nun allerdings das Ziel sein, die Verarbeitungskette in Afrika weiter aufzubauen, damit der Kontinent nicht nur Rohstoffe liefert, sondern auch an deren Weiterverarbeitung partizipiert", so die Presseabteilung von Otto auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Finespinners sei für diesen entwicklungspolitisch wichtigen Aspekt ein gutes Beispiel.