T-Shirts für Deutschland
und Dänemark

Nachdem die Druckerfarbe getrocknet und das T-Shirt gebügelt ist, befestigen flinke Frauenhände daran Etiketten: "Made in Uganda" steht auf dem einen, das Logo von S.Oliver auf dem anderen. Dann wandern die T-Shirts in Pappkartons, die mit der S.Oliver-Adresse im unterfränkischen Rottendorf beschriftet sind. S.Oliver erklärt auf Anfrage der "Wiener Zeitung" , dass sie in Uganda nur eine "Test-Order" bestellt hat, um zu sehen, ob Bugalobi als Herstellungsort in Frage kommt: "Konkrete Planungen zu einer permanenten Produktion bei Finespinners oder für eine allgemeine Produktionssteigerung in Uganda liegen nicht vor", so die Presseabteilung von S.Oliver.

Derzeit geht die Hälfte der bei Finespinners gefertigten T-Shirts ins Ausland, die meisten nach Deutschland und Dänemark. Doch in Zukunft solle mehr für den lokalen Markt produziert werden, betont Firmenchef Bedi. Mit der aufsteigenden Mittelklasse in Ostafrika wachse auch die Zahl der Kunden. "Die Ugander, die es sich leisten können, wollen lokal hergestellte Kleidung - denn wer trägt schon gerne gebrauchte Unterhosen?". Immerhin: In Afrika ist Kleidung noch immer ein gewaltiges Statussymbol. Hier zeigt sich auf den ersten Blick, wer Geld hat und wer nicht.

Pauline Nabukeera drückt mit dem Fuß auf das Pedal. Die Nähmaschine fängt an zu klackern. Mit feinen Zickzackstichen vernäht sie den Ausschnitt eines Kleides aus blauem Stoff mit gelben Blumenmustern. Kitenge werden diese gewachsten Stoffe in Ostafrika genannt, die meist in Thailand oder den Niederlanden bedruckt werden. Ursprünglich stammen sie aus Indonesien. Im 19. Jahrhundert waren es afrikanische Soldaten der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die erstmals die Kitenge-Stoffe als Importware über den Seeweg nach Afrika einführten. Bis heute gelten sie weltweit als typische afrikanische Kleidung: "Ich nähe für eine Kundin ein Kleid, denn sie ist zu einer Hochzeit eingeladen", erklärt Nabukeera während sie einen neuen Faden in die Nadel einführt.

"Made in Africa" als antikoloniales Statement

Die Frau mittleren Alters sitzt mit ihrer Nähmaschine unter einem Vordach vor ihrer kleinen Schneiderei in einem ärmlichen Vorstadtbezirk von Kampala. In ihrer vollgepackten Werkstatt hängen bunte Kitenge-Stoffe bis unter die Decke, daneben Poster mit Schaubildern der verschiedenen Damenkleider, die Nabukeera in mühevoller Handarbeit fertigt. "Afrikanische Frauen lieben Kitenge-Kleider, vor allem für Hochzeiten, Beerdigungen oder andere Festlichkeiten", sagt sie und zeigt auf die Schaubilder: "Manche Schnitte sind kompliziert, dafür brauche ich Tage - so ein Kleid ist dann recht teuer", sagt sie und winkt ihrer Tochter Patricia zu, die die Werkstatt betritt.