Die 18-Jährige hat gerade ihren Schulabschluss gemacht und sich an der Uni für den Studiengang Modedesign eingeschrieben. Gemeinsam hatten Mutter und Tochter die Idee, eine Berufsschule für Schneiderinnen aufzumachen. Knapp zehn Männer und Frauen unterrichtet Nabukeera zwei Mal die Woche, wie man aus Kitenge aufwendige Kleider näht, die Handtaschen und Hüte aus dem passenden Stoff gleich mit dazu. Tochter Patricia, die von Kind auf in Mutters Schneiderei aufwuchs, zeichnet dafür die Schnittmuster auf durchsichtigem Backpapier: "Wenn bald keine Second-Hand-Kleider mehr importiert werden, werden bald viele wieder handgenähte Kleider tragen", freut sie sich. "Schneiderin zu werden ist dann für uns Frauen ein richtig guter Beruf", lacht sie. Die Mutter nickt zufrieden: "Hier ist die Arbeitslosigkeit so hoch, ich bin froh, dass meine Tochter einen Beruf erlernt, der Zukunft hat".

Tochter Patricia nickt und schnappt sich ihre Handtasche. Mit einem Kuss verabschiedet sie sich. Sie ist aufgeregt. Im Nationaltheater in Kampala findet an diesem Abend im Rahmen des ostafrikanischen Kulturfestivals eine Modeschau statt. Designer aus Ruanda, Tansania, Burundi, Kenia und dem Ostkongo sind angereist, um auf dem Laufsteg ihre Kollektionen zu präsentieren - ein Event, ausgerichtet von der EAC, um Ostafrikas Textilverarbeitung zu fördern. Patricia will dort Ideen sammeln für ihre eigene Kreation, sagt sie.

Mode, die einst von Königen getragen wurde

Das Event kann sich sehen lassen. Als sich der schwere rote Samtvorhang vor der dunklen Bühne hebt, dröhnt der Rhythmus von Trommeln durch den vollbesetzten Theatersaal. Dann tauchen die Scheinwerfer den Laufsteg in ein gleißendes Licht. Ein Model aus Burundi stelzt von links nach rechts, macht ein paar Drehungen. Sie trägt ein rostbraunes langes Kleid aus faserigem Baumrindenvlies, dem der Unesco zufolge wohl ältesten Textil der Menschheit. Die Kulturagentur der Vereinten Nationen hat 2008 das Vlies, gewonnen aus der Rinde der afrikanischen Feigenbaums Mutuba, in ihre Liste der zu schützenden Kulturgüter aufgenommen.

Designerin Annick Kabatesi aus Burundi steht neben der Bühne. Auch sie ist vom Hut bis zum Rock in Baumrindenvlies gekleidet. Sie wirkt aufgeregt: "Es ist ein großer Abend für mich", sagt sie und lächelt verlegen. Die 35-Jährige hat jüngst in Burundi ihr Label "Murundikazi-Fashion" gestartet. Sie hatte eine Idee: "Ich fertige alle meine Designs aus Baumrinde, so wie unsere Vorfahren vor tausenden Jahren".

Noch bevor die Kolonialisten die Afrikaner zwangen, ihre Körper zu bedecken, trugen die ostafrikanischen Könige diese Vliese, vor allem in den Königreichen Burundi, Ruanda und Uganda. "Ich wollte mit diesen Designs unsere afrikanischen Körper von all den Textilien entkolonialisieren, die die Kolonialherren nach Afrika gebracht haben", erklärt sie. Die Wiederentdeckung dieser traditionellen afrikanischen Textile sei für sie "die wahre Mode Afrikas". Via Internet vertreibt Kabatesi ihre Designs mittlerweile bis in die USA, Kanada und nach Europa. "Vor allem die Cowboyhüte sind in Amerika sehr beliebt - unser burundischer Präsident trägt auch einen aus meiner Kollektion", sagt sie. Dann wird sie vom Moderator auf die Bühne gerufen. "Das ist die wahre Mode Made in Afrika", preist er die Designerin. Sie bekommt stürmischen Applaus. Auch die junge Designstudentin Patricia klatscht begeistert. "Das ist eine großartige Idee", sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.