• vom 08.03.2018, 06:00 Uhr

Uganda

Update: 15.03.2018, 17:05 Uhr

Uganda

Allgegenwart der Gewalt




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Von WZ-Korrespondentin Simone Schlindwein

  • In Ugandas gesellschaftlicher Praxis haben Frauen kaum Rechte.


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Kampala. Es war ein Foto in der Klatschpresse, welches das ganze Ausmaß sexueller Belästigung in Uganda auf einen Blick sichtbar machte: Am Grab des verstorbenen, 69-jährigen Professor Lawrence Mukiibi reihten sich knapp hundert Kinder. Die Trauernden waren geschockt: Über 100 Kinder soll der Direktor einer Privatuniversität mit seinen Studentinnen gezeugt haben: Sex gegen gute Noten - das war wohl die Devise.

Seitdem ist das Thema sexuelle Ausbeutung in aller Munde. Das kleine Land in Ostafrika galt in Sachen Frauen-Power lange Zeit als Vorreiter Afrikas. Als der heute 72-jährige Präsident Yoweri Museveni 1986 als Anführer seiner "Nationalen Widerstandsbewegung" (NRM), das Land eroberte, kämpften in den Reihen seiner Guerilla zahlreiche Frauen. Die NRM wollte nicht nur das Land von den Diktatoren befreien, sondern auch die Frauen vom Patriarchat - so zumindest die offizielle NRM-Ideologie.


Praxis sieht anders aus
In der Verfassung von 1995 ist festgeschrieben: Jeder Wahlbezirk wird auch von einer Frau repräsentiert. So stellen Frauen mindestens 30 Prozent der Abgeordneten. Auch die Parlamentssprecherin ist eine Frau, nach Präsident und Ministerpräsident immerhin die drittwichtigste Position im Staat. Doch die Praxis sieht anders aus. Allein im vergangenen Jahr wurden unweit der Hauptstadt Kampala über 20 Frauen-Leichen in Sümpfen und auf Äckern gefunden, alle verstümmelt. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Polizeichef Kale Kahiyura unterstellte, die Ermordeten seien Prostituierte gewesen - also leichte Opfer. Da schwang der Vorwurf mit, die Frauen seien quasi selbst schuld.

Die Morde sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Diskriminierung ist struktureller: Laut einer gemeinsamen Studie von Frauenrechtsorganisationen sterben durchschnittlich 16 Frauen pro Tag während der Geburt ihres Kindes. Eine Umfrage in knapp 3000 Organisationen - von der Gewerkschaft bis hin zur Kirche - kam 2014 zum Schluss: 90 Prozent der Frauen erfahren sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder im gesellschaftlichen Leben. Ein staatlicher Gesundheitsbericht von 2011 besagt: Rund 30 Prozent von Frauen zwischen 15 und 50 Jahre erleben häusliche Gewalt. Auf der globalen Rangliste vom UN-Kinderhilfswerk Unicef schneidet Uganda ganz schlecht ab: 40 Prozent der Mädchen werden vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. In armen Familien ist die Dunkelziffer noch viel höher. Jetzt gehen Ugandas Frauenrechtlerinnen auf die Barrikaden.

Sylvia Tamale ist Jus-Professorin und erste weibliche Dekanin der berühmten ugandischen Staatsuniversität Makerere. Sie gilt als eine der führenden Feministinnen des Kontinents. An einem Samstagnachmittag sitzt sie in den Maisha-Gärten, auf einem Hügel über dem gigantischen Victoria-See. Rund 30 Frauen und auch einige Männer sind gekommen, um ihren Vortrag über "Afrikas Feminismus in der Krise" anzuhören.

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Schlagwörter

Uganda, Frauen, Gewalt, Frauentag

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Dokument erstellt am 2018-03-07 17:08:40
Letzte Änderung am 2018-03-15 17:05:47


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