Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte sie sich in Gefangenschaft der Rebellen befunden, heute arbeitet sie als Näherin. Ihre beiden Kinder gehen inzwischen in die Schule, sie werden von der Dorfgemeinschaft akzeptiert - ihre Mutter jedoch nicht. Ihr, die sichtbar traumatisiert zurückgekehrt war, haftet bis heute ein Stigma an, weil sie mit den Rebellen gelebt hat. In der Region weiß jeder, dass Mädchen und junge Frauen bei den Milizen oft sexuell missbraucht werden. Auma spricht offen über ihre Suizid-Gedanken, die sie damals hatte: "Ich dachte an nichts anderes als an den Tod. Wenn die Menschen mir Rat geben wollten, habe ich sie einfach ignoriert. Alles kam mir unnötig vor. Ich war schwer traumatisiert, bin fast verrückt geworden."

Die Frauen im Dorf klopften damals immer wieder an ihrer Tür und forderten sie auf, an einem der Treffen der Dorfspargruppe teilzunehmen. In diesen schließen sich Menschen zusammen, die in entlegenen Regionen leben und deshalb oft keinen Zugang zu Banken haben. Mit ihrem Ersparten geben sie einander Mikro-Kredite. Auf diese Art und Weise wird in ruralen Gegenden seit mehr als 25 Jahren gespart. Auma hat sich überreden lassen und kam zu einem der Treffen mit. Heute ist sie Kassiererin einer solchen Spargruppe. Vor Aumas Haus bilden Frauen und Männer einen Kreis um eine schwere Metalltruhe, die mit zwei Schlössern gesichert ist. Hier sind die Ersparnisse des Dorfes gebunkert.

Patriarchale Strukturen in Uganda fest verankert

Die Frauen sitzen auf dem Boden, die wenigen Männer, die heute anwesend sind, haben wie selbstverständlich auf Holzstühlen Platz genommen. Eine Kuh, fünf Kälber, vier Ziegen, ein Ochse: Die Frauen zählen auf, was sie sich mit ihrem Erspartem schon alles leisten konnten: Ein junger Mann finanziert so sein Studium, für das er in die Hauptstadt pendelt. Die Spargruppen führen nicht nur zu größerer finanzieller Unabhängigkeit: Auf wöchentlicher Basis treffen sich die Frauen, tauschen sich aus und lernen voneinander. Das ist wichtig, denn patriarchale Strukturen sind in Uganda fest verankert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen ohne Zustimmung des Mannes nicht ihr Haus verlassen dürfen. "Zu Beginn war es vorgesehen, dass sich nur Frauen Dorfspargruppen anschließen dürfen - doch die Männer fühlten sich ausgeschlossen, und die häusliche Gewalt nahm sogar zu", erzählt Betty Akullo, und fügt hinzu: "Inzwischen gibt es deshalb eine Männerquote von 30 Prozent."

Vor 22 Jahren hat die Rechtsanwältin die Frauenrechtsorganisation "Women and Rural Development Network" gegründet. Ihre NGO bildet gemeinsam mit der Hilfsorganisation Care jene Frauen aus, die die Spargruppen leiten. Auch Akullo stammt aus der Region, auch sie hat eine Fluchtgeschichte: Da ihre Familie während des Bürgerkriegs fliehen musste, wuchs Akullo in Tansania auf. Ab dem Jahr 2000 beruhigte sich die Lage, 2006 waren die meisten wieder zurückgekehrt und versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen. Vor allem die Frauen waren oft traumatisiert, viele von ihnen hatten sexuelle Gewalt erlebt.