Kampala. Christine Auma bahnt sich den Weg durch das Dickicht, bis sie das Dorf erreicht. Mit einem Lappen wischt sie sich den Schweiß von der Stirn, dann wendet sie sich den Männern zu, die im Schatten eines Mangobaums sitzen. Vor ihnen geht sie auf die Knie, ihr zitronenfarbenes Kleid berührt kurz den roten Erdboden. Die kniende Begrüßung gilt in vielen afrikanischen Stämmen als Zeichen des Respekts.

So auch bei den Acholi, jener Stammesgruppe, die im Norden Ugandas beheimatet ist. Lehmhütten mit Strohdächern und Solarzellen, eine Oase inmitten von Bananenbäumen: Auma lebt in einem kleinen Dorf nahe Pader. Die Hauptstadt der gleichnamigen Region im Norden Ugandas wurde im Jahr 2000 aus dem Boden gestampft. Damals hatten sich hier viele Hilfsorganisationen angesiedelt, um den Wiederaufbau nach dem ugandischen Bürgerkrieg zu unterstützen.

Nachdem Präsident Yoweri Museveni die Macht in dem Land übernommen und die Schreckensherrschaft des Diktators Milton Obote beendet hatte, kämpften Musevenis Männer gegen Widerstandsgruppen. Auch die Zivilbevölkerung war von Mord, Vergewaltigungen und Entführungen betroffen, viele flohen in die Nachbarländer, womit Ugandas Politiker gerne die derzeitige Willkommenspolitik begründen: Man habe aus der eigenen Fluchtgeschichte gelernt, heißt es. Heute gilt Uganda als vergleichsweise sicher.

Sohn als Kindersoldat missbraucht

Auch Auma ist viel Leid widerfahren: Vor exakt 20 Jahren stürmten die Rebellen zum ersten Mal ihr Haus, verbrannten Zeugnisse und Dokumente. Vier Jahre später entführten sie zwei ihrer drei Kinder: Zuerst nahmen sie ihren Sohn, der damals elf Jahre alt war, mit. Vermutlich wurde er als Kindersoldat eingesetzt. In Ostafrika gehören laut dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef etwa 19.000 Kinder bewaffneten Gruppen an.

Kindersoldaten sind gleichzeitig Opfer und Täter. Sie müssen Dörfer überfallen, Menschen töten oder vergewaltigen, oft unter Androhung des eigenen Todes. Vielleicht kämpft er immer noch, vielleicht ist er tot. Was mit ihrem Sohn geschah, weiß Auma bis heute nicht. Sie hat nie wieder von ihm gehört. Nur eine Woche, nachdem ihr Elfjähriger entführt worden war, kamen die Rebellen wieder, töteten Aumas Ehemann und kidnappten ihre damals neunjährige Tochter. 14 Jahre später gelang ihrer Tochter gemeinsam mit einer anderen jungen Frau die Flucht. Sie war damals schwanger und hatte ihre zweieinhalbjährige Tochter bei sich.