• vom 03.10.2018, 16:59 Uhr

Uganda

Update: 04.10.2018, 09:19 Uhr

Motorräder

Ugandas Lebensader auf zwei Rädern




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Von Henrike Brandstötter und Michael Hafner

  • Sie sind der bunt dekorierte Stolz ihrer Fahrer und oft ihre einzige Jobmöglichkeit: die Boda Bodas, Ugandas Motorradtaxis. Zwei österreichische Autoren sind in die Welt der oft jungen Fahrer eingetaucht. Vorabdruck aus "The Big Boda Boda Book".



Fahad posiert mit seinem Motorrad.

Fahad posiert mit seinem Motorrad.© Hafner, Brandstötter Fahad posiert mit seinem Motorrad.© Hafner, Brandstötter

Nachmittags in Kampala, der Hauptstadt Ugandas; eigentlich ist die Stadt gerade ruhig. Der Verkehr staut sich an Kreuzungen und fließt mehrspurig um kleine Kreisverkehrsinseln. Rund um das Parlament langweiligen sich Polizisten im Schatten gepanzerter Fahrzeuge.

Everest döst nachdenklich auf seinem Motorrad. Sein Platz ist im Regierungsviertel, unweit vom Parlament, seine kurzen Beine baumeln in der Luft, wenn er sein Motorrad als Pausenbank benutzt, den Helm neben sich liegen hat und müde in die Sonne blinzelt. Eigentlich wäre Everest gerne Friseur. Aber er ist einer von hunderttausenden Boda-Boda-Fahrern in Kampala, die auf ihren Motorrädern Taxi- und Botenfahrten anbieten und das bei weitem erschwinglichste und auch praktischste öffentliche Verkehrsmittel in einer von Afrikas Millionenstädten darstellen.

Information

The Big Boda Boda Book
Verlag: Indiekator
160 Seiten
29 Euro

Es ist eine Frage des Geldes: Früher war Everest Schuster. Im Kampala bedeutet das allerdings, alte Schuhe zu flicken, vielleicht mal einen Absatz zu reparieren. Die Schuhe, die Everest herstellte, waren bestenfalls Flip Flops aus alten Autoreifen, in Streifen geschnittene Fahrradreifen als Zehenriemen. Dementsprechend niedrig war das Einkommen - Everest hockte am Straßenrand wie ein Schuhputzer oder wie ein Bettler, und hatte gerade genug Geld in der Tasche, um Obst und andere essbare Kleinigkeiten kaufen zu können. Lebensmittel sind in Kampala sehr günstig.

Geschmückte Boda Bodas.

Geschmückte Boda Bodas.© Hafner, Brandstötter Geschmückte Boda Bodas.© Hafner, Brandstötter

Als Boda-Boda-Fahrer trägt Everest eine saubere Jeans, ein frisch gewaschenes Hemd mit gestärktem Kragen und ordentliche Schuhe. Trotzdem wäre er lieber Friseur - aber es ist eine Frage des Geldes. Mit seinem Motorrad kann er auch an mittelmäßigen Tagen 30.000 ugandische Schilling verdienen. Das sind umgerechnet knappe sieben Euro.

Ein Monatsverdienst von knapp einer Million Schilling setzt harte Arbeit voraus. Aber das ist etwa so viel Geld, wie Lehrer und andere schlecht bezahlte Beamten bekommen.

Als Friseur würde Everest nur einen Bruchteil dieses Geldes verdienen. Aber es wäre ein um so vieles ruhigerer Job. Denn in der Rushhour von Kampala, die bald einsetzen und praktisch den ganzen Nachmittag bis spät in die Nacht dauern wird, denkt jeder Boda-Boda-Fahrer immer wieder mal daran, den Job an den Nagel zu hängen.

Dichtes Gewirr von Gassen, Plätzen und Märkten

In Kampala leben eineinhalb Millionen Menschen auf etwa einem Drittel der Fläche vergleichbarer europäischer Großstädte. Die Stadt ist eine Mischung aus weitläufigen Villenvierteln, unglaublich überfüllten Geschäftsstraßen, mediterran wirkenden Wohnblöcken aus nacktem Beton und armen Vierteln mit winzigen Hütten aus selbstgebrannten Ziegeln, manchmal auch noch aus Lehm, die als dichtes Gewirr von winzigen Gassen und Plätzen eigene Städte in der Stadt bilden - mit Marktplätzen, Geschäften und dutzenden Imbissbuden.






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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-03 17:09:43
Letzte Änderung am 2018-10-04 09:19:30


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