Auch in Kampala gibt es kaum Jobs, und gerade deshalb ist die Stadt immens geschäftig. Jeder Schilling ist es wert, verdient zu werden. Jeder Schilling kann darüber entscheiden, wo der, der ihn verdient hat, heute seinen Platz in Kampala findet. Am nächsten Tag kann wieder alles anders sein. Kampala ist eine Stadt, in der wohlhabende Beamte in dunklen Anzügen mittags entspannt in schönen Restaurants sitzen. Expats und Mitarbeiter von NGOs wohnen in Villenvierteln hinter mit Stacheldraht bewehrten Mauern. Kleine Geschäftsleute legen tagsüber lange Wege zurück und kehren abends in Zwei-Zimmer-Wohnungen für ihre sechs- oder achtköpfigen Familien zurück. In Shopping-Malls kämpfen Luxusmarken, Technikhändler und Kunsthandwerk um die Aufmerksamkeit der wenigen, die es sich leisten könnten, hier einzukaufen.

Abends kann man in Kampala feiern wie in jeder anderen Stadt: Im Stadtviertel Kalangala mischen sich kleine Bars und verbotene Prostitution, im Regierungsviertel ziehen die Bars der großen Hotelketten die Wichtigen und Mächtigen der Stadt an, im Nobelviertel Kololo drängen sich Clubs an Restaurants und noch noblere Clubs. Es kann sein, dass auch in noblen Clubs an gut besuchten Tagen plötzlich das Tonic ausgeht - weil von Anfang an nur eine Flasche da war -, manchmal fällt wohl auch der Strom aus. Aber sonst laufen Partynächte nach weltweit immer ähnlichen Mustern ab.

Wer am nächsten Morgen die Zeitung aufschlägt, findet vorsichtige Kritik am seit über 30 Jahren amtierenden Präsidenten, immer wieder positiv in die Zukunft blickende Wirtschaftsnachrichten, erstaunlich beißenden selbstkritischen Zynismus auf den Kommentarseiten, ausführliche Berichterstattung über die englische Premier League - und die Inserate von Hexern und Wunderheilern. Ihre Angebote sind einander recht ähnlich: Sie versprechen Abhilfe bei Potenzproblemen, bringen verlorene Geliebte zurück, helfen bei der Raucherentwöhnung, sichern geschäftlichen Erfolg und bekämpfen im Haus spukende Dämonen. Das meiste davon passiert in standardisierten Programmen zum Fixpreis.

Eine zum Explodieren
lebendige Stadt

Verkehrschaos in Kampala. - © Hafner, Brandstötter
Verkehrschaos in Kampala. - © Hafner, Brandstötter

Kampala ist eine dicht gedrängte, vielschichtige und manchmal zum Explodieren lebendige Stadt. In der ganzen Stadt gibt es praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel. Boda Bodas, die allgegenwärtigen Motorradtaxis, sind die wichtigste Lebensader dieser Stadt. Sie bringen Menschen morgens zur Arbeit und Kinder in die Schule, sie beliefern Geschäftsleute mit Waren und sie sind der schnellste Weg, um Einkäufe zu erledigen. Private Autos sind für die meisten Einwohner Kampalas unerschwinglich. Die wenigen Autos teilen sich die Straßen mit Lastern und Matatus, der ugandischen Variante von Sammeltaxis: Matatus fahren entlang fixer Strecken, und sie fahren erst dann los, wenn der Fahrer sie für ausreichend voll befindet. Bei einem für vierzehn Personen zugelassenen Minibus sind das grundsätzlich mindestens zwanzig Personen. Wenn mehrere Fahrgäste unterwegs aussteigen, wartet der Fahrer oft auch mit der Weiterfahrt, bis sich die Plätze wieder füllen - für eine Matatu-Fahrt braucht man also viel Zeit und Geduld.

Boda Bodas dagegen schlängeln sich durch jeden Stau und bringen ihre Passagiere oder ihre Fracht einigermaßen pünktlich und genau ans Ziel. Die Fahrt ist allerdings oft halsbrecherisch: Zwischen stauenden Autos, Schlaglöchern, sich durch den Verkehr zwängenden Fußgängern und dutzenden anderen Motorrädern, die genau die gleiche Lücke nützen wollen, führt der Weg oft über Gehsteigkanten oder Verkehrsinseln. Durch kommt nur, wer sich schmal macht. Dabei sind Boda Bodas oft dicht beladen: Drei Personen mit Gepäck, wenn Kinder dabei sind auch mehr, ganze Bettgestelle oder bis zu acht kunstvoll verschnürte Bierkisten auf dem Gepäckträger sind keine Seltenheit.