Geschmückte Boda Bodas. - © Hafner, Brandstötter
Geschmückte Boda Bodas. - © Hafner, Brandstötter

Boda Bodas sind die wichtigste Verkehrsinfrastruktur Ugandas. Und die Branche ist auch zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden. In einem Land praktisch ohne Jobs und ohne große wirtschaftliche Perspektiven für junge Menschen schaffen Boda Bodas Zukunft. Führerscheine sind nur eine theoretische Notwendigkeit. In der Praxis drängen tausende junge Menschen - überwiegend Männer - ohne Ausbildung und ohne Kapital in die Branche. Die Motorräder werden oft von wohlhabenderen Ugandern gegen Taggeld zur Verfügung gestellt, dann kann das Abenteuer beginnen.

Studien der Makerere University in Kampala zufolge leben in Uganda mittlerweile bis zu zwei Millionen Menschen von der Boda-
Boda-Branche. Das sind Fahrer, Händler, Mechaniker, Betreiber von Waschplätzen oder Dekorationsartikel-Händler. Zwei Millionen Menschen - das sind fünf Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In den Ländern Westeuropas leben fünf Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft.

Je jünger die Fahrer, desto bunter die Dekorationen

Boda Bodas sind auch auf dem Land die wichtigste Zukunftsbranche Ugandas. Es ist in den kleineren Dörfern überall das gleiche Bild: Hoffnungsvolle Jungs strahlen stolz auf glänzenden Motorrädern. Je jünger sie sind, desto bunter sind ihre Dekorationen und desto größer sind ihre Hoffnungen. Wie die Hoffnungen und das Motorrad von Geoffrey: Er hat erst vor einer Woche sein nagelneues Motorrad nach Budadiri gebracht. Budadiri ist ein kleines Dorf auf über 1700 Meter Seehöhe und nicht gerade ein Verkehrsknotenpunkt: Von hier aus geht es nicht weiter, gleich hinter dem Dorf beginnt der Mount-Elgon-Nationalpark, der nur zu Fuß durchquert werden kann. Hier gibt es keine Straßen, nur steile Fußpfade, die auf fast 4500 Meter Seehöhe hinaufführen.

Dennoch sind auch hier alle Hügel dicht besiedelt; jede Familie baut ihre neue Hütte und bestellt Felder in Handarbeit. Sofern sie Felder hat - Geoffrey hat keinen Grundbesitz, nur sein Motorrad. Warum er trotzdem hier Fuß zu fassen versucht? "Es ist meine Heimat." Weiter weg als in der Bezirksstadt Mbale war er noch nie, und von dort hat er unangenehme Geschichten über Räuber und Überfälle gehört.

Rund um Budadiri gibt es in einem Umkreis von gut zwanzig Kilometern keine asphaltierten Straßen. Auch wenn es steiler wird, gibt es nur Schotter- und Erdpisten, die sich bei Regen in Abenteuerlandschaften verwandeln und bei Trockenheit bei jedem Schritt Staubschwaden aufsteigen lassen.

Ihre Motorräder glänzen und glitzern; die Wimpern von Geoffrey und seinen Freunden sind von hellrotem Staub verklebt, der hell aus ihren Gesichtern leuchtet. Geoffrey besucht seit Tagen jede der vielen kleinen Werkstätten im Ort und sammelt weiteres Zubehör für sein Motorrad: Aufkleber und Fahnen, ein bunter Sitzbezug, lackierte Schutzgitter für den Scheinwerfer - Geoffrey strahlt.

Bryan, der Werkstattbesitzer, bei dem er sein Motorrad pimpen lässt, ist im Vergleich zu Geoffrey ein weitgereister Mann. Er war schon im zweihundert Kilometer entfernten Kampala und hat von dort ein Arnold-Schwarzenegger-Poster mitgebracht, Arnie post als Conan. "I like him very much", sagt Bryan.