Coolness entschädigt die Fahrer für das, was sie nicht haben

Vincent ist am frühen Morgen an einer Tankstelle bei Masaka auf Kundenfang; hier halten die Busse von und nach Kampala. Masaka ist eine kleine Stadt im Sumpfland vor dem Viktoriasee, von hier aus kann man zu den Fähren nach Bukakata fahren, die auf die Ssese Islands übersetzen. Vincent redet nicht viel, er posiert lieber. Coolness entschädigt viele Fahrer für das, was sie nicht haben. Sie sind immerhin ihre eigenen Chefs. Sie bestimmen, wie sie auftreten wollen, sie arbeiten, wann sie wollen. Oder wann sie es brauchen.

Wer Englisch spricht, erhöht seine Geschäftschancen gleich um ein Vielfaches. Eigentlich ist Englisch die offizielle Amtssprache hier in Uganda, aber das bedeutet nicht überall viel. Bei Geschäften mit Touristen - oder auch Ugandern aus anderen Landesteilen - hilft es aber sehr. Fahad, der mit Vincent an der Tankstelle auf Passagiere aus den nächsten Überlandbussen wartet, weiß das. "I want to go to Europe", sagt er zu jedem, der so aussieht, als wäre er nicht von hier.

Er weiß genau, was die einzig nachhaltigen Wege nach Europa wären: eine Europäerin heiraten oder mit Visum einreisen und untertauchen. Und er weiß, dass es ihm in Europa nicht automatisch besser gehen würde. "Es ist kalt und man braucht viel Geld", sagt er über Europa. "Und die meisten Menschen sind dort allein." Warum er trotzdem davon spricht, wegzugehen? Es ist eher ein Reflex, eine traditionell überlieferte Vorstellung, an der die Berichte von Rückkehrern schon lange kratzen. Es sind Bekannte von Bekannten, Fahad kennt keine Europa-Rückkehrer persönlich. Vielleicht sind es auch die absurd-phantastischen Glitzerwelten aus ugandischen, nigerianischen oder sogar kongolesischen Musikvideos, die das Ideal von Europa bröckeln lassen. Stars leben dort eine Welt vor, die es hier nicht gibt; seit afrikanische Popstars genauso bunt sind wie amerikanische oder europäische, haben sie das Unerreichbare in die Nähe geholt. Und es damit noch unerreichbarer gemacht. Niemand aus Fleisch und Blut lebt hier diesen Luxus. Also leben ihn die Menschen anderswo vermutlich genauso wenig.

Extra Lager und Waragi Gin
nach der Kirche

Emma und seine Freunde leben ihren eigenen Luxus. Der besteht aus Eagle Extra Lager Starkbier und Waragi Gin. Es ist Sonntag Mittag in Kisoro im äußersten Westen Ugandas. Der Gottesdienst, der je nach Laune des Predigers auch mal drei Stunden dauern kann, ist erledigt, die Boda-Boda-Fahrer des Ortes hängen sturzbetrunken in der Kiruhuura-Bar ab. Manche tragen schwarzen Anzug, andere schon praktisches Alltagsgewand, mit dem sie ein paar Stunden später ein Nickerchen im Straßenstaub machen werden. Am Sonntag ist hier nicht viel zu tun.