• vom 28.04.2014, 10:05 Uhr

Ukraine

Update: 28.04.2014, 10:10 Uhr

Brandherd

Gebiet Cherson: Gouverneur sieht Gefahr eines russischen Einmarsches




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  • Ukrainischer Verwaltungschef Odartschenko: Streit um die Wasserversorgung der Krim als möglicher Vorwand

Kiew/Moskau. Das nördlich der Krim liegende Gebiet Cherson ist für die neuerdings von Russland kontrollierte Halbinsel von größter strategischer Bedeutung - nicht nur, dass alle Straßen- und Eisenbahnverbindungen auf die Krim durch diese Region führen. Das Gebiet Cherson spielt auch für die Strom- und in noch stärkerem Ausmaß für die Wasserversorgung der Krim eine extrem wichtige Rolle.

Vor diesem Hintergrund sprach Juri Odartschenko, der am 2. März von der ukrainischen Regierung zum Gouverneur des Gebiets Cherson ernannt wurde, von einer beunruhigenden Lage. Insbesondere auf die Situation um den Nord-Krim-Kanal blicke er mit "größter Sorge", erklärte Odartschenko im Gespräch mit der APA. Dies sei auch der größte potenzielle Brandherd in seinem Gebiet: "Russland könnte unter dem Vorwand, dass die Ukraine angeblich kein Wasser auf die Krim liefert, einen Angriff starten. Ich befürchte dies nahezu jeden Tag".


Ein pessimistisches Szenario
Russische Truppen, skizzierte der Gouverneur ein aus seiner Sicht pessimistisches Szenario, könnten versuchen, von der Krim aus etwa 100 Kilometer weit in den Norden und bis zum Fluss Dnipro (Dnepr) vorzustoßen. Sie würden bei einem militärischen Erfolg damit auch den für die Wasserversorgung zentralen Kachowkaer Stausee und äußerst wichtige Knotenpunkte für die Stromversorgung besetzen.

Dass ein Angriff Russlands auf das ukrainische Festland jederzeit möglich sein könnte, legen laut Odartschenko Beobachtungen zur Präsenz russischer Truppen auf der Krim nahe. Diese hielten sich unweit der Grenze des Gebiets Cherson auf: "Die Anspannung an dieser Grenze geht nicht zurück. Im Gegenteil - sie steigt."

Wasserversorgung der Krim
Die zuletzt erfolgte Reduktion ukrainischer Wasserlieferungen über den Nord-Krim-Kanal auf die Krim erklärte Gouverneur Odartschenko unter anderem mit einer fehlenden gemeinsamen Steuerung des in den 1960er- und 1970er-Jahren errichteten Kanals. Dieser verläuft 100 Kilometer lang im Gebiet Cherson und danach noch weitere 300 Kilometer zur Hafenstadt Kertsch auf der Krim. Der Kanal, der nur bei Plustemperaturen betrieben werde, sei - so Odartschenko - von der von ukrainischer Seite im zweiten Märzdrittel ordnungsgemäß aktiviert worden.

Nach dem Krim-Referendum am 16. März hätten jedoch Unbekannte die Steuerungsanlagen auf der Krim besetzt und insbesondere jene drei Pumpstationen, die im unteren Teil zum Betrieb des Kanals unabdingbar seien, nicht korrekt aktiviert. Die Situation würde auch dadurch verkompliziert, so der Gouverneur, dass das Kanalbett vor dem Vollbetrieb aus technischen Gründen einige Wochen lang angefeuchtet werden müsse: Da der unterste Teil des Kanals nunmehr ausgetrocknet sei, könnte selbst bei korrekter Verwendung der Pumpstationen erst nach einem Monat Anfeuchten das maximale Wasservolumen auf die Krim geleitet werden.

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Schlagwörter

Brandherd, Einmarsch, Russland, Ukraine

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Dokument erstellt am 2014-04-28 10:05:46
Letzte Änderung am 2014-04-28 10:10:24


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