Debalzewe. Gut eineinhalb Wochen ist es her, dass die prorussischen Separatisten die ostukrainische Stadt Debalzewe erobert haben, und noch immer sind regelmäßig Explosionen in dem Eisenbahnknotenpunkt zu hören. Doch es sind nicht Artilleriefeuer und Schüsse von Kämpfern, sondern Minenräumer, die von den ukrainischen Soldaten zurückgelassene Sprengkörper zur Detonation bringen.

"Ukrainer haben viele kleine Überraschungen hinterlassen"

Drei Teams von Kosaken wurden von den Separatisten gerufen, um die nach wochenlangen Gefechten zerstörte Stadt nach Minen zu durchkämmen. Denis Saizew ist der Chef der Kosaken. Der Mann mit der schwarzen Fellmütze zeigt auf die Eingangstür eines kleinen Hauses, in dem die ukrainischen Truppen Nahrungsmittel gelagert hatten. 20 Zentimeter über dem Boden ist ein weißer Faden gespannt, der an den Stift einer Granate gebunden ist. "Die Ukrainer haben uns viele solche kleine Überraschungen hinterlassen", sagt Minenräumer Sergej Tscherpachin mit einem Lächeln.

Ein Rebell in Tarnuniform, aber ohne jede Schutzausrüstung, tritt auf die Sprengfalle zu und durchschneidet die Schnur mit einer Zange. Mit bloßer Hand nimmt er die Granate und übergibt sie seinem Chef.

Wenige Meter weiter sind drei Minen im Boden eingegraben. "Das sind Panzerabwehrminen", erklärt Saizew. Seine Leute haben bereits TNT-Sprengstoff daraufgelegt. Nachdem sie einige Rebellen in der Nähe angewiesen haben, in Deckung zu gehen, jagen sie die Minen in die Luft. Die Erde bebt, eine schwarze Staubwolke steigt auf.

Sprengkörper in Wohngegenden

"Jeden Tag entschärfen wir etwa 20 Mörsergranaten, Minen oder Sprengfallen", berichtet Saizew. Selbst in Wohngegenden würden die gefährlichen Objekte gefunden. Auch Tamara Sliwinskaja, die auf dem Leninplatz auf Lebensmittel vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wartet, kennt die Gefahr. "Wir haben hier kein Leitungswasser", sagt die 61-Jährige. "Wir würden gerne welches am Brunnen holen, aber wir haben zu viel Angst vor den Minen."

Sliwinskaja wohnt auf der vorletzten Etage eines neunstöckigen Wohnhauses. Über ihr seien ukrainische Soldaten - "Nazis", wie sie sagt - auf Beobachtungsposten gewesen. Diese hätten zur Aufgabe gehabt, Artilleristen anzuleiten. Auf der Treppe nach oben zogen die Soldaten drei Drähte, die mit "einer Art Granate" verbunden waren, wie Sliwinskaja berichtet. Damit hätten die Bewohner davon abgehalten werden sollen, näher zu kommen.

Die Kosaken haben inzwischen alle Blindgänger rund um die Wetterstation von Debalzewe eingesammelt. Schon werden sie zu einer Metallfabrik gerufen, in der sich ukrainische Soldaten verschanzt hatten. Dann durchsuchen die Männer akribisch einen 40 Meter hohen Wasserturm, in dem ein Scharfschütze der ukrainischen Armee Stellung bezogen haben soll. Zu ihrer Erleichterung finden die Spezialisten nichts. Doch schon müssen sie weiter. Eine große Rakete, die auf dem Dach einer Fabrik gelandet ist, ohne zu explodieren, muss unschädlich gemacht werden.