Heuer wählen die Vereinten Nationen ihren nächsten Generalsekretär. Wir brauchen den bestmöglichen Kandidaten den Job.

Mogens Lykketoft ist Präsident der 70. Tagung der UNO-Generalversammlung. - © UN Photo/Mark Garten
Mogens Lykketoft ist Präsident der 70. Tagung der UNO-Generalversammlung. - © UN Photo/Mark Garten

Es ist oft die Rede oft vom unmöglichsten Job der Welt. Und nachdem der nächste Generalsekretär der Vereinten Nationen am 1. Jänner 2017 das Amt übernehmen wird, ist es auch leicht zu sagen, warum: schreckliche Konflikte und menschliches Leid in Teilen des Nahen Ostens, Afrika und Europa; gewalttätiger Extremismus, der uns alle bedroht; anhaltende Diskriminierung von Frauen und Mädchen; ein besorgniserregender Anstieg der Fremdenfeindlichkeit; mehr als 800 Millionen Menschen versuchen, der extremen Armut zu entkommen; fast 60 Millionen Vertriebene auf der ganzen Welt; eine einmalige günstige Gelegenheit, den Klimawandel und die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung anzugehen, bevor es zu spät ist; und eine Organisation, die sich an die neuen Ziele, denen die Welt gegenüber steht, anpassen muss.

In ihrer 70-jährigen Geschichte, mit all ihren Schwächen, haben die Vereinten Nationen gezeigt, dass sie mit den Herausforderungen wachsen können. Um das heute zu schaffen, müssen sie den bestmöglichen Kandidaten oder die Kandidatin für den Generalsekretär finden.

Die Rolle des UNO-Generalsekretärs

Viele haben vorgeschlagen, dass der ranghöchste UNO-Beamte entweder Sekretär oder General sein sollte. Aber der Generalsekretär muss beides und mehr sein: eine Person mit solider persönlicher Zivilcourage und Integrität; er oder sie - und ich sehe nicht ein, warum der beste Kandidat nicht eine Frau sein sollte - muss eine Stimme für die Schwächsten der Welt sein und die Ideale und Ziele der Vereinten Nationen verkörpern.

Als oberster Diplomat der Welt muss der Generalsekretär seine Unabhängigkeit, seine Unparteilichkeit und seine guten Dienste zur Konfliktverhütung und für den Frieden einsetzen und sich für die Menschenrechte erheben. Es braucht eine Person mit politischem Profil und guten Führungsqualitäten - mit einer Autorität, um jede Angelegenheit, die seiner oder ihrer Meinung nach die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit gefährdet, vor den Sicherheitsrat zu bringen.

Als oberster Verwaltungsbeamter der UNO muss der Generalsekretär eine riesige Organisation überblicken - mit einem Budget von rund zehn Milliarden US-Dollar, einer Belegschaft von mehr als 40.000 Mitarbeitern und derzeit 41 Friedensoperationen weltweit.

Ein archaisches Auswahlverfahren

Früher gab es keine Klarheit, wann das Auswahlverfahren tatsächlich begann oder - irgendwie unglaublich - wer sich für den Job beworben hatte. Es gab auch keine reale Möglichkeit für eine substanzielle und offene Beschäftigung mit den Kandidaten - weder für die UNO-Mitglieder noch für die Öffentlichkeit.

Das Resultat: Empfehlungen, die hinter verschlossenen Türen verhandelt wurden - hauptsächlich von den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates; acht Generalsekretäre, nicht einer davon war weiblich; und eine hauptsächlich symbolische Ernennung durch die UNO-Generalversammlung. Deshalb wurden die Generalsekretäre - nicht immer rechtmäßig - wahrgenommen, als den wahren Mächtigen verpflichtet zu sein, von denen sie am meisten unabhängig sein müssen.

Ein besser Weg für die Wahl des nächsten Generalsekretärs

Die UNO-Charta beschreibt eindeutig das Auswahl- und Ernennungsverfahren - und dieses muss eingehalten werden. Aber die kürzlichen Änderungen im Prozess selber, die von allen 193 Mitgliedern der Generalversammlung angenommen wurden, geben uns die einzigartige Chance, es transparenter, stärker, inklusiver und letztendlich effektiver zu gestalten. Als Präsident dieser Versammlung ist es mein Job zu gewährleisten, dass diese Änderungen umgesetzt werden.

Folgendes ändert sich: Vergangenen Dezember setzten der Präsident des Sicherheitsrates und ich das Auswahlverfahren in Bewegung, indem wir dazu aufriefen, die Kandidaten so früh wie möglich zu präsentieren. Wir legten die zentralen Aspekte des Verfahrens dar und ermutigten Mitgliedstaaten, weibliche und männliche Kandidaten vorzuschlagen. Bis heute wurden acht Kandidaten und Kandidatinnen vorgeschlagen, und ihre Biografien und relevanten Information sind nun auf der Webseite öffentlich einsehbar.

Die größte Chance für eine Abkehr von der Vergangenheit ist der Dialog, den ich mit den Kandidaten und Kandidatinnen halten werde. Diese Dialoge - die manche als "SG hearings" bezeichnen - haben am 12. April begonnen. Von jedem Kandidaten und jeder Kandidatin wird erwartet, eine Vision für die Herausforderungen und Chancen, denen die UNO und der nächste Generalsekretär/die nächste Generalsekretärin gegenüberstehen, zu formulieren. Sie werden allen UNO-Mitgliedern und der Zivilgesellschaft für zwei Stunden Rede und Antwort stehen und jeder Dialog wird live übertragen. Die Dialoge werden mit neuen Kandidaten so lange weitergeführt, bis der Sicherheitsrat eine Empfehlung abgibt. Und ich erwarte von jeder Person, die ernsthaft der nächste Chefdiplomat beziehungsweise die nächste Chefdiplomatin der Welt werden will, sich öffentlich und direkt den Mitgliedern und Menschen, denen er oder sie dienen wird, zu stellen.

Eine Chance auf Veränderung

Natürlich werden diese Innovationen nicht unmittelbar unsere Welt verändern und Diskussionen über Themen wie die Länge und Erneuerung einer Amtsperiode und ob die Generalversammlung über die Ernennung abstimmen soll oder nicht, werden weitergehen. Aber sie haben das Potenzial, neue Standards in der Transparenz und Inklusivität internationaler Angelegenheiten zu setzen. Angesichts der globalen Veränderungen, denen wir uns heute gegenüber sehen, könnte dies eine echte Alternative sein.

Also bitte gehen Sie online, nehmen Sie teil über Social Media, verschaffen Sie sich Gehör und helfen Sie uns, den besten Kandidaten beziehungsweise die beste Kandidatin für das Amt der UNO-Generalsekretärs, den unsere Welt braucht, zu finden.